Aus der Vorstandsarbeit
22. Juni 2005 - GSV bei den Schulpsychologen

Was ist an den Grundschulen los?

Gisela Cappel und Baldur Bertling, Grundschulverband NRW,
zu Gast bei SchulpsychologInnen des Regierungsbezirks Düsseldorf
(ein Bericht von Jürgen Mietz)

Duisburg, 22.6.2005
Die Neue Grundschule hält nicht nur die Lehrerinnen und Lehrer auf Trab, sondern auch die SchulpsychologInnen. „Was ist an den Grundschulen los?“ war die Frage, die wir SchulpsychologInnen an die Experten richteten. Endgültig wissen wir auch jetzt nicht Bescheid, aber die LehrerInnensicht ist uns ein wenig vertrauter. Dass es nicht die eine Sicht gibt, führten uns Vorsitzende und Vize-Vorsitzender auf belebende Art und Weise vor. Für die Arbeitsgruppe der SchulpsychologInnen hat sich diese Art der Fortbildung gelohnt, war das einhellige Fazit.

Deutlich wurde: Das Terrain Grundschule, auf dem wir uns bewegen, ist ein vielfach gebrochenes und zerklüftetes Gelände. Zuverlässige Landkarten gibt es nicht. Sondieren, Forschen, Austausch, Überprüfen sind Haltungen, die wir benötigen, aber vermutlich auch die Kolleginnen und Kollegen in der Grundschule selbst. Überwiegend am Beispiel des jahrgangsübergreifenden Unterrichts drangen wir in den Dschungel schulischer Reformen ein.

Baldur Bertling machte auf Mängel bei der Einführung, auf außerpädagogische Motive und auf schlechte Rahmenbedingungen der Umsetzung aufmerksam. Er wollte den jahrgangsübergreifenden Unterricht als eine Form der Differenzierung verstehen, jedoch nicht als die mittelfristig einzige und oktroyierte Form der Schulorganisation. Gisela Cappel hält viel vom jahrgangübergreifenden Unterricht, sie ist damit groß geworden und sie ist von den guten Wirkungen überzeugt, wenn sie ihre Schule leitet und in ihr unterrichtet. Aber auch sie weiß, dass sich manche Lehrerin vor den neuen Forderungen fürchtet – und gegebenenfalls „dicht“ macht. Zeitmangel, fehlende Fortbildungsmöglichkeiten, was auch mit Lehrkräftemangel übersetzt werden kann, sind Gift für eine erfolgreiche Umsetzung der Pläne. Umso wichtiger sind behutsame und zielstrebige Führung, Teilhabe der Lehrerinnen an den Umsetzungsschritten und ein Klima, in dem Neues gewagt werden kann. Und nicht die Angst vor dem Versagen das Klima bestimmt.

Jahrgangsübergreifender Unterricht ist nicht denkbar ohne Differenzierung - eine große Herausforderung für die Lehrer und Lehrerinnen. Unter den Begriffen Offener Unterricht, Werkstatt- und Stationenlernen verbergen sich nicht klar und eindeutig definierte Konzepte. Sie müssen individuell und institutionell in Kooperation mit Leben gefüllt werden.

Vielleicht können an der einen oder anderen Stelle SchulpsychologInnen den Entwicklungs- und Vertrauensbildungsprozess unterstützen, indem sie ihr Know-how aus Kommunikation und Beratung für die Ebene der Schulleitung, des Kollegiums oder der Teams einbringen. Oder sie unterstützen mit ihren Möglichkeiten der Diagnostik und Interaktionsanalyse die Lehrerinnen in der Beurteilung schwieriger Kinder.

Weitere Themen der Gesprächsrunde können hier nur kurz erwähnt werden, wurden aber lebendig diskutiert: Warum wurden die 85 er Richtlinien kaum umgesetzt? Welches Verständnis von Führung, Verantwortung, Beteiligung liegt so manchem Reformprojekt zugrunde? Wer stößt Neuerungen an oder pushed sie mit welchen Begründungen und Motiven? Wurde das Projekt „jahrgangs­übergreifender Unterricht“ aus einem historischen und pädagogischen Kontext herausgerissen und wurde versucht, es in einen Boden zu pflanzen, der ungeeignet war und ist? Viele Themen, die es verdient haben, vertieft zu werden und der Diskussion harren.

Jürgen Mietz, Schulpsychologe

 

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