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mit Vertretern der Landtagsfraktionen
GSV bei Ute Schäfer
(Originalbeitrag für diese Internet-Seite)
Am
6. Dezember 2005 sprachen
Ute Rohrlack, Heinz Wiemer und Baldur Bertling im Landtag mit Ute
Schäfer, der ehemaligen Ministerin für Kinder Jugend und Schule, die
jetzt als stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD – Fraktion die
Politik ihrer Nachfolgerin kritisch begleitet. So bestimmten die Pläne
der Koalition den Gedankenaustausch zwischen Opposition und
Grundschulverband.
Inhaltlich
passte das Datum zum Gespräch.
Nur dass der Nikolaus für die Regierenden kaum Süßes im Gepäck hatte.
Grundschule braucht Ruhe
Frau
Schäfer machte deutlich, dass während der letzten Legislaturperiode in
der Grundschule zahlreiche Veränderungen in Gang gekommen sind (Neue
Richtlinien, Schuleingangsphase, Englisch ab Klasse 3, VERA …) und nun
die Kolleginnen und Kollegen in Ruhe und Gründlichkeit an die Umsetzung
all der Innovationen gehen müssten, die ja auch erst gründlich
ausgewertet werden müssten, bevor ggf. weitere Maßnahmen folgen.
Eigentlich müsste jetzt die Sekundarstufe 1 in den Blickpunkt der
Schulpolitik geraten, was auch die Ergebnisse nach PISA nahe legen.
Stattdessen
würden nun wieder neue Regelungen getroffen (Englisch ab Klasse 1,
Kopfnoten, Noten ab Klasse 2, freie Schulwahl ….), die wieder mal die
Grundschule im Kern träfen und für Unruhe sorgten - wie der
Grundschulverband bereits nach Vorliegen des Koalitionsvertrages erklärt
hat.
Kooperation statt Konkurrenz
Die
beabsichtigte Aufhebung der Schulbezirke zeitgleich mit öffentlichen
„Leistungsvergleichen“ schaffe ein Klima, in dem Schulentwicklung zum
Wohle eines jeden Kindes unmöglich wird.
Eltern,
die es sich leisten können, werden ihre Kinder an den Schulen anmelden,
an denen sich die leistungsstarken Schüler konzentrieren. Die Schulen,
die unter schwierigeren Bedingungen pädagogisch qualifizierte Arbeit
leisten, werden die Verlierer - und mit ihnen die Kinder.
Nicht
Konkurrenz um die Kinder sondern Kooperation auch über Schulgrenzen
hinweg sei ein Weg, auf dem die Schulen der Primarstufe die
Zukunftsaufgaben erfolgreich bewältigen können.
Unterrichtsausfall
Dass
die neue Landesregierung die Bekämpfung des Unterrichtsausfalles auf ihre
Fahnen geschrieben hat, mag zwar populistisch angemessen sein –
angesichts der Tatsache, dass im Ländervergleich der Unterrichtsausfall
in NRW im Durchschnitt der anderen Bundesländer liege, habe die Regierung
Rüttgers hier allerdings ein Feld eröffnet, auf dem man langfristig nur
wenig punkten könne. Wirkliche Vermeidung von Unterrichtsausfall geht
schließlich nur mit einer realistischen Stellenreserve, die aber aus
finanzpolitischen Gründen nahezu nicht durchzusetzen ist.
Was
hier gegenwärtig allerdings angezettelt wird, ist ein „Schwarze-Peter-Spiel“.
Die Fortbildung, die interne Kommunikation, die Krankheit von Lehrerinnen
und Lehrern oder die Elternsprechtage als Hauptursache von
Unterrichtsausfall zu deklarieren, ist so fadenscheinig
argumentiert, dass es eigentlich einer breiten Öffentlichkeit auffallen müsste!
Wenn ein Lehrer nicht da ist – aus welchen Gründen auch immer –
entsteht zunächst Vertretungsbedarf, der allein mit bezahlter
Mehrarbeit oder einer Stellenreserve zu decken wäre, wenn man nicht von
politischer Seite Unterrichtsausfall billigend in Kauf nimmt.
Was
völlig aus dem Blick geraten scheint: Allein die Quantität von
Unterricht sichert nicht die Qualität – eher im Gegenteil!
Qualität in Gefahr
Unabhängig
von den berechtigten gewerkschaftlichen Statements über die ständige
Verlängerung der Lehrerarbeitszeit bedauert der Grundschulverband, dass
die Qualität von Beratung und Kooperation gefährdet wird. Grundschule
hat schließlich in den vergangenen Jahren mit der Entwicklung von
Schulprogrammen und mit intensiver Beratung eine Leistungskultur
entwickelt, die z.B. bei der Iglu-Untersuchung auch international
Anerkennung fand. Diese Erfolge werden von der neuen Landesregierung mit
einem Federstrich zunichte gemacht, wenn sie Ganztagskonferenzen und
Elternsprechtage abschafft und Fortbildung, Elternberatung und auch die
interne Kommunikation von Lehrerausflügen vollständig in die
unterrichtsfreien Zeiten verlegt!
Offener Ganztag
Hier
liegt ein Erlassentwurf vor, der in erstaunlicher Naivität die
Angebotspalette der offenen Ganztagsschule erweitert und gleichzeitig die
finanziellen Möglichkeiten einschränkt. Der Text liest sich, als hätten
Pädagogen aus dem Wolkenkuckucksheim ihre Wünsche aufschreiben dürfen
und Finanzpolitiker ohne Kenntnis der pädagogischen Ziele die
Rahmenbedingungen dafür festgelegt.
Da
soll die Qualität durch Bereitstellung zusätzlicher Lehrerstellen
verbessert werden.
Dies wird von uns grundsätzlich begrüßt, wenn die Stellen (0,2 pro
Gruppe) zusätzlich und nicht zu Lasten des bisherigen
Bildungsangebotes bereit gestellt würden.
Die Änderung (weitgehendes Verbot der „Kapitalisierung“) verkennt
allerdings, dass an vielen Stellen die Qualität dadurch ermöglicht
wurde, dass an Stelle der Lehrer Honorarkräfte ein umfangreiches
Bildungsangebot machen konnten. Eine Lehrerstunde im offenen Ganztag ist
schließlich etwa genauso teuer wie zwei bis drei Stunden von Honorarkräften,
die z.B. in der Hausaufgabenbetreuung oder in Arbeitsgemeinschaften
eingesetzt werden konnten.
Öffentliche Inkompetenz
Insgesamt
hat sich die Koalition sehr viel vorgenommen und scheint auch
entschlossen, einiges davon in die Tat umzusetzen. Da vieles gerade die
Grundschule in ihrer Entwicklung um Jahrzehnte zurücksteuern soll, ist
eigentlich wenigstens handwerkliche Kompetenz gefragt. In diesem
Zusammenhang ist es nachgerade peinlich, wenn eine Landesregierung öffentlich
im Internet um Vorschläge zur Behebung von Unterrichtsausfall oder zum
Abbau von Bürokratie bittet. Die möglichen Maßnahmen sind seit
langem bekannt. Wer im Internet um Hilfe bittet, empfiehlt sich nicht
gerade als Kompetenzteam!
Fazit
Allerdings:
Mehrheit ist Mehrheit – zwar sitzen wir alle in einem Boot, aber die
Richtung bestimmt nun mal der Steuermann.
Manchmal
wünscht man sich dann doch wie in Berlin eine große Koalition, in der
vielleicht vieles still steht – aber sich auch manches langsam bewegt in
eine Richtung, die von allen getragen wird!
Das
Hin und her rund um die Grundschulkinder ist jedenfalls unerträglich!
U.R., H.W., B.B.,
(12. Dezember 2005)
Mehr über die SPD Politikerin auf deren Webseite
http://www.uteschaefer.de/
Achtung: Das ist ein externer Link!
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