Pressearbeit

Seite neu am 24. Mai 2006

Vor und nach den Osterferien 2006 hat sich die Landesgruppe zweimal an die Presse gewendet.
- einmal ging es um die Vorgänge rund um die Berliner Rütli-Hauptschule
- einmal um die letzte Anhörung zum neuen Schulgesetz in NRW.

Hier die Texte

GSV-NRW / Pressemitteilung / 24. Mai 2006

Grundschulverband warnt:
Abschottung des Gymnasiums und Auslesedruck gefährden pädagogische Leistungskultur an Grundschulen!

Anlässlich der heutigen letzten Anhörung zum Entwurf des Schulgesetzes meldet sich auch der Grundschulverband zu Wort. Schließlich betreffen  viele einschneidende Veränderungen die Grundschule direkt. Aber auch die Veränderungen in der Sekundarstufe wirken sich auf die Grundschule aus.

„Der Auslesedruck wird mit Noten und Kopfnoten voll durchschlagen auf die Grundschule, wenn nach Verabschiedung des Schulgesetzes der Bildungsgang des Gymnasium sich von den anderen Schulen der Sekundarstufe so sehr unterscheidet, dass die Durchlässigkeit des Schulwesens zu einer hohlen Phrase wird!“, so fürchtet Baldur Bertling, Pressesprecher der Landesgruppe des Grundschulverbandes.  Kinder könnten dann nicht mehr in Ruhe, Gründlichkeit und Gelassenheit allmählich ihre Leistungsfähigkeit ausbauen. Noten als Ausleseinstrument ab Klasse 2 würden  Grundschule im Kern verändern.

„Die allseits anerkannte Pädagogik der Grundschule wird geopfert, wenn hauptsächlich auf die frühe Auslese in der Mitte der Klasse vier vorzubereiten ist,“ beklagt der Grundschulverband.  Angesichts der politischen Ziele der Landesregierung sei es allerdings verständlich, wenn Eltern von der Grundschule erwarten, dass sie alles tut, damit ihr Kind nach dem vierten Schuljahr den Einzug ins Gymnasium schafft.  „Danach,“ so zitiert Bertling viele Grundschuleltern, „ist der Zug demnächst abgefahren!“

Dabei sei die pädagogische Fachwelt einig:
Individuelle Förderung und das sog. begabungsgerecht gegliederte Schulwesen schließen einander aus.

Individuelle Förderung ist nur möglich in einer Schule, die - wie jetzt noch die Grundschule - alle Kinder ohne Ausgrenzung gemeinsam unterrichtet und lernen lässt. Deshalb fordern die Fachleute seit langem – auch unter Verweis auf internationale Vergleichsstudien – endlich auch in Deutschland Schulen einzurichten, an denen Kinder und Jugendliche länger gemeinsam lernen und wirklich individuell und differenziert gefördert werden können.

Zwar predigt auch die Landesregierung individuelle Förderung, mehr Durchlässigkeit und bessere Bildung für Kinder mit Migrationshintergrund und solche aus sozialen Brennpunkten. Tatsächlich aber schafft die Koalition mit der absurden Vorstellung eines begabungsgerecht gegliederten Schulwesens eine Schullandschaft, in der das Gymnasium - von Migrationsproblematik und sozialen Spannungen ungestört -  seinen Schülerinnen und Schülern einen „Königsweg“ zum Abitur anbieten kann. Die Abschottung des Gymnasiums geht so weit, dass Schulverbünde zwischen allen anderen Schulformen der Sekundarstufe möglich sind – allerdings niemals mit einem Gymnasium.

Da aber die Pläne der Landesregierung in Bezug auf individuelle Förderung und stärkere Gliederung des Schulwesens in sich widersprüchlich sind, kann sich auch ein anderes Szenario einstellen:

Immer mehr Kinder – auch solche die nur mit Einschränkungen für ein Gymnasium geeignet erscheinen -  wechseln nach der Grundschule auf das Gymnasium. Dort muss dann - nach dem erklärten Willen der Landesregierung - der Unterricht so gestaltet werden, dass die Versetzung eines jeden einzelnen Kindes das Ziel ist, an dem die Qualität dieser Schule gemessen wird.

„Bessere Förderung für Migranten und Kinder aus sozialen Brennpunkten auch an Gymnasien!“, das wäre, so Bertling, eine Parole, mit der die Landesregierung die wirklichen Probleme in Angriff nähme. Fraglich wäre nur, ob die Gymnasien in der Lage sind, einem solch hohen Anspruch gerecht zu werden.

 

Dinslaken, 24. Mai 2006

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GSV-NRW / Pressemitteilung / 4. April 2006

Die Lehre aus den Vorgängen um die Rütli-Hauptschule:
Grundschule schützen, stärken und ausbauen!
Länger gemeinsam lernen !

 Morgen soll das Kabinett des Landes NRW über Veränderungen des Schulgesetzes beraten. Da erwartet der Grundschulverband, dass die Koalitionäre – angesichts der Vorgänge in Berlin - innehalten und gründlich nachdenken, bevor mit Kopfnoten für Arbeits- und Sozialverhalten die soziale Diskriminierung bereits in der Grundschule beginnen soll. Die Koalition sollte den Rat von Experten annehmen, und endlich Schluss machen mit der Ausgrenzung am Ende der Klasse 4 und mit Zensuren im Zusammenhang mit Leistungserziehung. Vielmehr sollten Wege eingeschlagen werden, die erfolgreiche Pädagogik der Grundschule auch für die Kinder der 5. und 6. Klassen flächendeckend zu ermöglichen. Denn wirkliche Integration braucht Zeit. Und die Arbeit vieler Grundschulen belegt eindrucksvoll, dass  gute Sprachkenntnisse das Ergebnis von Integration sind und nicht die Voraussetzung dafür!

In Berlin haben die Folgen der Ausgrenzung von leistungsschwachen Kindern und Integrationsprobleme die Öffentlichkeit wachgerüttelt und endlich die Frage in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerückt: Wie muss Schule sein, die das gemeinsame Leben und Lernen von Kindern aus unterschiedlichen sozialen Milieus und verschiedenen Herkunftsländern möglich macht, bei allen Kinder die persönlichen und sozialen Kompetenzen fördert, die  Leistungsfähigkeit stärkt und die Lernfreude erhält?

Die Antwort ist einfach: Grundschule in NRW hat diesen Auftrag und erledigt ihn – wie internationale Untersuchungen bestätigen – mindestens zufrieden stellend.

Grundschule in NRW ist eine Schule, an der alle Kinder eines Wohnbezirks gemeinsam leben und lernen können. Die zensurenfreie Leistungserziehung hat sich in der Schuleingangsphase und darüber hinaus bewährt. Die Erziehung zu positivem Arbeits- und Sozialverhalten durch Elternberatung und ermutigende Bemerkungen auf Zeugnissen ist erfolgreich. Das gemeinsame Lernen aller Kinder eines Wohnbezirkes kann als zentrales Element der Integration von Kindern mit Migrationshintergrund angesehen werden.

Angesichts der Vorgänge in Berlin erklärte Baldur Bertling, Pressesprecher der Landesgruppe NRW des Grundschulverbandes: „Wer Entwicklungen stoppen will, die zu den Zuständen an vielen Hauptschulen auch in NRW geführt haben, muss alles vermeiden, was Grundschule gefährden könnte, alles tun, sie zu stärken und alles versuchen, die Zeit des gemeinsamen Lernens auszudehnen!“

 

Dinslaken, 04. April 2006

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