Grundschulempfehlung / Übergangsgutachten
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Seite neu am 5. Februar 2010 - zuletzt bearbeitet am 05.02.2010

Grundschulempfehlungen
im „begabungsgerecht gegliederten Schulwesen

 Bericht über die  öffentlicheAnhörung
des Ausschusses für Schule und Weiterbildung
am 27. Januar 2010 im Landtag NRW

Expertenanhörung oder Glaubenskrieg?

Pünktlich zur Ausgabe der diesjährigen Empfehlungen für die Viertklässler trafen sich am 27. Januar 2010 bildungspolitische Experten und Expertinnen aus den Landtagsfraktionen mit eingeladenen Experten. Die Mitglieder des Landtages wollten oder sollten Expertenmeinungen zu diesen für die Schullaufbahn so bedeutsamen Dokumenten und deren Auswirkungen auf die Lernbiografien junger Menschen anhören.

Angehört wurden Vertreter aus Verbänden und Hochschulen: Philologenverband, Institut für Erziehungswissenschaften (Uni Duisburg-Essen) Elternverein, Institut für Schulentwicklungsforschung (Dortmund), Realschullehrerverband, Grundschulverband, Rheinische Direktorenkonferenz und Schulleitungsvereinigung der Gesamtschulen.

Von einigen dieser Experten bekamen wir Grundschullehrerinnen und –lehrer viel Lob: für unsere intensive Beratungsarbeit, für die differenzierten, überwiegend qualifizierten Empfehlungen und für die hohe Quote der Treffsicherheit unserer Empfehlungen. Wie erwartet kam dieses Lob von denjenigen, die das gegliederte Schulsystem verteidigen und die Empfehlungen als nützliches Instrument zur systemkonformen Steuerung sehen.

Wir tun ja auch unser Bestes, wohl wissend, wie Baldur Bertling (GSV) ausführte, dass unsere Berichte über die bisherige Lern- und Leistungsentwicklung keine verlässlichen Prognosen über die zukünftige dynamische Entwicklung acht- bis zehnjähriger Kinder zulassen!

Welche der teilweise unterschiedlichen Empfehlungskriterien denn überhaupt valide Vorhersagen erlauben, konnte kein Experte belegen. Die Frage, wer denn ein Realschüler sei, wurde von der Vertreterin des Realschullehrerverbandes denn auch so beantwortet: „Ein Real-Schüler ist ein Schüler, der eine Realschule besucht“.

Belegen konnte statt dessen Prof. H.G. Holtappels vom Institut für Schulentwicklungsforschung an der Uni Dortmund große Überschneidungen in den Leistungsprofilen von Kindern, die - je nach ihrer sozialen Herkunft - Empfehlungen für die verschiedenen Schulformen bekommen haben. Wohlgemerkt: Überschneidungen auch bei Gymnasial- und Hauptschulempfehlungen!

Mit Hilfe von Untersuchungsergebnissen setzte er sich engagiert gegen die Verteilung der Viertklässler nach sozialer Herkunft, für die Integration der Lernschwächeren in ein integriertes System und damit für soziale Chancengleichheit ein. Der Sprecher der Schulleitungsvereinigung der Gesamtschulen fasste die Forderung so: „Flexibel so lange wie möglich Bildungsbiografien offen halten“.

Da hatten einige Politiker allerdings ‚Bildungsgerechtigkeit’ gehört und erklärten, die gebe es nicht, sie könne aber erworben werden, und bemühten sich, die gerechte Verteilung von Bildung im begabungsgerecht gegliederten Schulsystem zu verteidigen. Außerdem, so die Vertreterin des Elternvereins NRW, sei dank der Maßnahmen der Landesregierung wie der Sprachstandsförderung und der Setzung der Bildungsstandards für Klasse 4 in ein paar Jahren Bildungsungleichheit kein Problem mehr.

Der Disput steigerte sich schließlich unter anderem zu dem Vorwurf, Kritik an der Hauptschule sei Diskriminierung der Hauptschüler.

So flogen ‚Argumente’ hin und her, von Anhören konnte ich insgesamt wenig beobachten.

Wahlkampf? Glaubenskrieg?

Gisela Cappel