Sprachstandstests für vierjährige Kinder - 2008
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 Seite neu am 13. November 2007

Anhörung im Landtag -
Was hat es gebracht?

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Anhörung im  Landtag am 9.November 2007 - Bericht

Sprachstandserhebung und Sprachförderung

Persönliche Bemerkungen von Baldur Bertling

Auch der Grundschulverband war eingeladen.
Als Sprecher der Landesgruppe hatte ich Gelegenheit, unsere Position vorzutragen. Realistisch eingeschätzt habe ich nicht die Hoffnung, dass solche Anhörungen sofort und unmittelbar zu mehr Vernunft und – aus unserer Sicht – richtigen Entscheidungen in der Bildungspolitik führen. Das Bild allerdings vom weichen Wasser und dem steten Tropfen, dem auch der stärkste Stein letztendlich nicht widerstehen kann, geht mir nicht aus dem Kopf. Man könnte sonst leicht den Mut und den Humor verlieren.

Ergebnis bereits am Tag vorher veröffentlicht

Am Abend vorher war die Presseerklärung aus dem Schulministerium im Netz nachzulesen: Eckpunkte für die Durchführung der Sprachstandsfeststellungen im Jahre 2008. Abgeordnete der Grünen und der SPD kritisierten dies als Missachtung des Parlament, wenn vor einer Expertenanhörung eines der zuständigen  Ministerien die Ergebnisse schon einmal festlegt. Die CDU widersprach. Das Papier sei ja nur eine Meinungsäußerung aus dem Schulministerium, die noch abgestimmt werden müsste mit dem anderen beteiligten Ministerium und die – selbstverständlich – nach den Ergebnissen der Anhörung noch veränderbar sei.

Feldversuch mit 180.000 Probanden

Frau Prof. Fried erklärte, dass der Zeitpunkt der Anhörung eigentlich zu früh angesetzt sei. Noch immer lägen nicht alle Daten zur wissenschaftlich korrekten Auswertung vor. Diese Auswertung sei aber zwingend erforderlich, bevor eine Modifizierung des Verfahrens wissenschaftlich abgesichert erfolgen könne. Die erste Runde von Delfin und Pfiffikushaus habe ja aus wissenschaftlicher Sicht  im Wesentlichen der Entwicklung des Verfahrens gedient. Daraufhin wurde sie  befragt, warum ein noch nicht fertiges Testinstrument quasi als Feldversuch zur Testentwicklung mit 180.000 Probanden im ganzen Lande angewendet worden ist.  Das sei , so Frau Prof. Fried, „nicht meine Empfehlung und nicht mein Wunsch, in der ersten Runde so in die Breite zu gehen.“

Blick nach Rheinland-Pfalz

Hochinteressant waren die kurzen Ausführungen von Frau Prof. Kammermeyer aus Rheinland Pfalz. Dort gibt es eine ähnliche Entwicklung zur Sprachstandsfeststellung zwei Jahre vor dem Besuch der Grundschule. Mit zwei einfachen, aber wesentlichen Unterschieden:

Es werden nur die Kinder getestet, die zwei Jahre vor Schulbeginn noch keine Tageseinrichtung besuchen.

Das letzte Kindergartenjahr ist in Rheinland-Pfalz beitragsfrei!

Ergebnis

Insgesamt waren – so meine Erinnerung - alle Experten einig,

o       dass die Muttersprache der Kinder eine größere Rolle bei Sprachstandsfeststellung und Sprachförderung spielen muss,

o       dass Sprachförderung hauptsächlich in den Alltag der Tageseinrichtung integriert erfolgen sollte,

o       das darüber hinaus die Arbeit mit den Eltern für das sprachliche Lernen der Kinder wichtig ist und

o       dass prozessbegleitende Diagnostik für das sprachliche Lernen wesentlich bedeutsamer ist als eine einmalige umfassende Sprachstandsfeststellung.

Ausblick

Frau Prof. Fried sprach in ihren Ausführungen vom schwierigen Weg vom Testinstrument hin zu Förderhinweisen. Diese Worte – in etwas anderer Betonung – fassen das Ergebnis der Anhörung aus meiner Sicht zusammen:

Weg vom Testinstrument!
Hin zu Förderhinweisen!

Baldur Bertling, 11. November 2007