Gespräch des Vorstands des GSV-NRW
am 21.7.2004 im Ministerium zum Thema VERA

  1. Kurzbericht
  2. Was kommt was auf uns zu?

Kurzbericht

für die Verbandszeitschrift GSV-Aktuell (August 2004)

von Beate Schweitzer

Im Rahmen der Entwicklung und Erprobung von länderübergreifenden Lernstandserhebungen werden Ende September zentrale Vergleichsarbeiten in den Fächern Mathematik und Deutsch in den vierten Schuljahren durchgeführt. In einem kritisch-konstruktiven Gespräch mit Vertreten des Ministeriums trug der Landesvorstand seine Fragen und Bedenken zu den bislang bekannten Teilen des Verfahrens vor:  

So gibt es erhebliche Bedenken hinsichtlich des gewählten Zeitpunkts: Durch die große Nähe der Testergebnisse zu den Übergangsempfehlungen in die weiterführenden Schulen besteht die Gefahr hiermit ein zusätzliches Selektionsinstrument zu schaffen, darüber hinaus lässt der Zeitrahmen keinen ausreichenden Raum für die  

nach der Diagnose besonders intendierte individuelle Förderung. Gefragt werden muss auch, inwieweit durch die ausschließliche output-Orientierung die Überprüfung der Qualität der Lehr-Lernprozesse vernachlässigt wird und ob die gewählten Aufgabenbeispiele auch den aktuellen fachdidaktischen Anforderungen entsprechen. 

Darüber hinaus ist es für den Bereich der Unterrichtsentwicklung von höherer Bedeutung die Fortschritte von Lerngruppen unter vergleichbaren Bedingungen zu erfassen als das individuelle Erreichen von Kompetenzstufen von Kindern einer Lerngruppe zu einem für alle gleichen Zeitpunkt. 

Einzelne Aspekte konnten intensiver diskutiert werden; von Seiten des Ministeriums wurde dabei deutlich gemacht, dass der eingeleitete Prozess den Anfang eines breit angelegten Verfahrens kennzeichnet, in dessen Verlauf auch mögliche Fehlentwicklungen aufmerksam verfolgt und durch Modifikationen aufgefangen werden sollen. Zu diesem Zweck wurde ein weiteres Treffen zwischen Landesvorstand und Ministerium nach der Auswertung des ersten Durchlaufes vereinbart.  

 

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VERA – was kommt da auf uns zu?

Originalbeitrag für diese Website
von Baldur Bertling

Zunächst eine bäuerliche Pädagogenregel:

Alle wissen genau –
das Ministerium weiß es am besten:
Kinder werden vom Lernen schlau
und nicht vom Testen! 

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Vision für die Grundschule

Gespräch im Ministerium

Warum VerA?

Neue Erkenntnisse?

Fazit

Vision für die Grundschule...?

Damit Grundschulkinder nicht endlos viel Zeit mit immer wieder neuen Tests vertun müssen, haben Wissenschaftler die Vergleichsarbeiten erfunden: eine überschaubare Anzahl von Testaufgaben, mit denen jede Grundschule überprüfen kann, in wie weit die ihr anvertrauten Kinder bis zum Ende des dritten Schuljahres die Ziele der Richtlinien und Lehrpläne erreicht haben. Ohne großen Aufwand erfährt die Grundschule durch einen einzigen Test, ob die Lernentwicklung der Kinder innerhalb akzeptabler Bandbreiten liegt, oder ob bestimmte Bereiche besonderer Aufmerksamkeit bedürfen. Auf dieser Basis kann die Arbeit  für das letzte Grundschuljahr sicher und zielgerichtet geplant werden.

Für viele Grundschulen wird sich bei diesem Test das Ergebnis der Iglu-Studie bestätigen. Sie sind auf dem richtigen Wege und leisten das mit ihren Mitteln Machbare.

Der Test gibt aber auch Hinweise darauf, was im vierten Schuljahr getan werden kann, wenn Kinder diese Ziele nicht hinreichend erreicht haben. Diese Maßnahmen können vielfältig sein. Von gezielter Lehrerfortbildung über einzelne Fördermaßnahmen bis hin zu zusätzlichen Planstellen für Lehrer oder Sozialpädagogen, die der einzelnen Schule die Möglichkeit eröffnen, gezielt auf die Bedürfnisse auch schwieriger Kinder einzugehen.

Manche Menschen scheinen zu glauben, dass die anstehenden Vergleichsarbeiten im vierten Schuljahr genau das sein können ...

Was sie aber in Wirklichkeit sind, das wollten wir herausfinden.

 

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Gespräch im Ministerium

Als Vertreter des Grundschulverbandes waren Gisela Cappel, Beate Schweizer und Baldur Bertling am Mittwoch, dem letzten Schultag vor den Sommerferien 2004, zum Gespräch im Ministerium. Grund: Irritationen um Anlass, Zweck, Verfahren und mögliche Wirkung dieser landesweiten Maßnahme.

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Warum VERA?

Zentrale Vergleichsarbeiten sollen als ein Instrument neben anderen dem Bildungssystem helfen, seine eigene Wirksamkeit zu kontrollieren und unter Beweis zustellen. Die Maßnahmen der internen Evaluation (z.B. Parallelarbeiten) werden nach wie vor empfohlen, aber nicht mehr vorgeschrieben. Das hat keine inhaltlichen Gründe. Es waren Forderungen nach Entlastung der Lehrerschaft, die zum Verzicht auf die Verpflichtung zu Parallelarbeiten führte. 

Dass wenigstens ein Teil der Aufgaben im Grundschulbereich von den Schulen selbst ausgewählt werden kann, soll  die Vielfalt der Schulen und die bei den Parallelarbeiten bewiesene Kompetenz der Primarstufenlehrer berücksichtigen.

Wir meinen dazu: Unstrittig ist, dass die Qualität der Arbeit an Schulen gesichert und entwickelt werden muss. Dazu steht gerade Grundschulen ein breites Repertoire an Maßnahmen zur Verfügung. Wir bedauern, dass gegenwärtig die produktorientierte Sichtweise von Qualität sich in den Vordergrund drängt, während die Qualität der Lernprozesse aus dem Blick zu geraten droht. Während die Richtlinien und Lehrpläne den Blick der Schule immer mehr auf die individuellen Lernzuwächse der Kinder richten, verführen zentrale Vergleichsarbeiten dazu, die Qualität der geleisteten Arbeit mit der Qualität eines Produktes zu verwechseln.

Wenn ein Kind zu Beginn des vierten Schuljahres ausgezeichnete Leistungen in Deutsch und Mathematik zeigt, war daran oft nicht nur die Schule beteiligt. Viele außerschulische Faktoren bestimmen bereits die Ausgangslage der Kinder bei der Einschulung.  Dass solche Unterschiede auch noch am Ende des dritten Schuljahres nicht ausgeglichen sind, bedarf keiner Erklärung. Wir wollen aber an eine Erkenntnis aus PISA erinnern: Erfolgreich sind die Länder, deren Schulsystem die Kinder ohne Klassenwiederholungen möglichst lange miteinander lernen lässt, steuerfinanzierte Ganztagsschulen bereithält und sich insgesamt dem Prinzip Fördern statt Auslesen verschrieben hat.

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Neue Erkenntnisse?

Das Gespräch im Ministerium verlief in ausgesprochen freundlicher Atmosphäre. In der Sache hat sich dabei erwartungsgemäß nichts Neues ergeben.

Vielleicht sind folgende Einschätzungen von Interesse:

·        Auch die Pädagogen im Ministerium fänden einen landesweiten Test am Ende von Klasse 3, also in größerem Abstand zur Übergangsberatung, weniger missverständlich;

·        Das Ministerium geht ziemlich gelassen an die Sache heran. Ob man gleich im ersten Durchlauf überhaupt sichere Erkenntnisse gewinnen kann, muss sich erst noch herausstellen.

·       Die Ergebnisse sollen auf allen Ebenen neue Impulse für Qualitätssicherung und Qualitätsentwicklung geben.

·        VERA ist insgesamt nur ein kleiner Baustein auf dem Weg zu mehr Selbstständigkeit und allmählicher Qualitätsverbesserung ... was – so ist einhellige Meinung in der Schulverwaltung – ohne eine gewisse Kontrolle nicht geht.

·        Viele der möglichen und notwendigen Konsequenzen aus dem zu erwartenden  unterschiedlichen Abschneiden unterschiedlicher Schulen scheitern gegenwärtig am Diktat des Finanzministers. Ohne eine solche Untersuchung allerdings würden für die nächsten Haushaltsberatungen Argumente fehlen ...

Eines konnten wir erreichen, was vorher nicht geplant war:

·        Die Informationsschrift für die Eltern wird vorab den Schulen per E-Mail zugeschickt, damit die Überraschung nicht so groß ist ..

Na ja!

 

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Fazit:

Nach unserem Gespräch sind wir sicherer als zuvor in unseren Vorschlägen für die konkrete Arbeit in der Schule. Wir empfehlen:

Gelassenheit

Wenn alle noch etwas herum experimentieren, dann sollten auch die Grundschullehrer diese Aufgabe gelassen angehen.

Selbstbewusstsein

Dabei sollten wir wissen und zeigen, dass wir seit Jahren kompetent und erfolgreich an der Bildung und Erziehung der 6 bis 10 Jährigen arbeiten und uns deshalb nicht von jedem neuen Auftrag  aus der Ruhe bringen lassen!

Zeit für das Wesentliche

Lasst uns weiterhin Kooperation im Schulalltag pflegen! Getreu dem Motto: Immer parallel arbeiten ist besser als einmal eine Parallelarbeit schreiben!

Baldur Bertling

 

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