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Beate
Sundermann & Christoph Selter:
Mathematikleistungen feststellen, fördern
und beurteilen,
Lernen begleiten - Lernerfolg beurteilen
Will man Lernprozesse von Schülerinnen und Schülern
anregend begleiten und ihren Lernerfolg angemessen bewerten, stößt man
unwillkürlich auf zwei unterschiedliche Funktionen von Schule.
Die Steuerungsfunktion
„zielt auf die innerschulische und die nachschulische Auslese
der Schülerinnen und Schüler. Das bedeutet: Entscheidungen über
Versetzungen und Nicht-Versetzungen, über Schullaufbahnen, über
Abschlussniveaus treffen. Die Steuerungsfunktion wird in der Wahrnehmung
der Eltern und damit auch der Kinder immer dann offenkundig, wenn
Ziffernoten vergeben und Leistungsspiegel veröffentlicht werden“
(Grundschulverband 2004, S. 2).
Ihr gegenüber steht die Entwicklungsfunktion.
Sie „zielt auf die bestmögliche Förderung der Schülerinnen und Schüler.
Das bedeutet: die individuellen Entwicklungsmöglichkeiten berücksichtigen,
für das einzelne Kind erreichbare Ziele anstreben, zur Anstrengung
ermutigen, Möglichkeiten eigenständigen Lernens stärken, dabei
personale, sachbezogene und sozialbezogene Kompetenzen fördern und
individuelle Fortschritte würdigen“ (ebd.).
Schule kann dieses Spannungsverhältnis von Unterstützen
und Überprüfen
nicht beseitigen. Aber sie kann sehr wohl anstreben, trotz
dieses Dilemmas mit den Leistungen der Kinder verantwortlich umzugehen.
„Alles pädagogische Geschehen in der Grundschule steht unter dem
Anspruch der Förderung des Kindes und seiner Bildung. Die Formen der
Lernerfolgsfeststellung und Lernerfolgsrückmeldung dürfen nicht in
Widerspruch zu diesem Anspruch geraten. Erfolgszuversicht und Könnenserfahrung
sind die elementaren Voraussetzungen für die Entfaltung von
Bildungsbereitschaft und Lernfreude. Nur ein Kind, das gerne lernt und
Freude daran empfindet, seinen Horizont zu erweitern, ist den
Anforderungen des Lebens gewachsen“ (Faust-Siehl u.a. 1996, S. 121).
Damit sich die Grundschule in diesem Sinne als
pädagogische Leistungsschule weiter entwickeln kann, reicht
die Orientierung an pädagogischen Leitvorstellungen nicht aus. Um in der
Praxis wirksam werden zu können, müssen diese fachbezogen konkretisiert
werden.
Das vorliegende Papier unternimmt einen solchen
Versuch für den Mathematikunterricht in der Grundschule. Im Einzelnen
befassen wir uns damit, …
o
wie man Leistungen von Kindern wahrnehmen sollte, nämlich
mit kompetenzorientiertem
Blick (Kap. 1),
o
wie Lehrerinnen und Lehrer ein differenzierteres Bild von
deren Kompetenzen und Defiziten erhalten können, beispielsweise durch Standortbestimmungen (Kap. 2),
o
wie Schülerinnen und Schüler verstärkt Transparenz über
Ziele des Lehr-/Lernprozesses erhalten können, etwa mittels Checklisten (Kap. 3),
o
wie alltägliche Leistungen dokumentiert werden können,
z.B. mit Hilfe des Mathe-Briefkastens
(Kap. 4),
o
wie die Selbstbeurteilung der Kinder eine wichtige
Informationsquelle nicht nur für die Lehrpersonen, sondern auch für die
Schülerinnen und Schüler darstellen kann, angeregt beispielsweise durch Lernberichte
(Kap. 5),
o
wie man den Stellenwert von Klassenarbeiten relativieren
kann, etwa indem die Kinder in deren Vorbereitung als Aufgabenerfinder
einbezogen werden (Kap. 6),
o
wie man lernförderliche Formen der Rückmeldung realisieren
kann, zum Beispiel in der Durchführung eines Kindersprechtags
(Kap. 7).
Ausführlichere Informationen – auch zu den Themen „gute Aufgaben“
oder „differenzierte Mathematikarbeiten“ – finden Sie in Sundermann
& Selter (2006). Bevor wir in den Kapiteln 2 bis 7 Anregungen für den
Unterricht geben, wollen wir zunächst den u.E. zentralen Punkt
ansprechen, wenn es um den Umgang mit Leistungen von Kindern geht:
vermehrt die Fähigkeiten erkennen,
weniger nach Fehlern suchen!
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