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Seite neu am 10. Dezember 2007 - zuletzt aktualisiert am 12.12.07

Kopfnoten - Trotz Alledem

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Zeugnisse mit Kopfnoten

Wie Grundschule trotz alledem Kindern helfen kann,
ihr Arbeits- und Sozialverhalten zu entwickeln

(einige ausgewählte Passagen des Originalbeitrages, den es als pdf-Datei zum Ausdrucken gibt.)

 

Entwicklung von Arbeits- und Sozialverhalten ist für Grundschulen in NRW nichts Neues. Schon seit mehr als 30 Jahren gibt es auch dazu Bemerkungen auf den Grundschulzeugnissen.

Mit Beginn des Schuljahres 2007/08 galt eine Neuregelung, die bereits ein Jahr später wieder revidiert wurde:...

Inzwischen gilt:

Drei Kopfnoten (Leistungsbereitschaft, Zuverlässigkeit/Sorgfalt, Sozialverhalten) erstmals auf dem Versetzungszeugnis in die Klasse 4. Vier Notenstufen: sehr gut, gut, befriedigend, unbefriedigend)

Ich nenne hier noch die alte Regelung, die damals Grundlage für diesen Beitrag war. Inhaltlich hat sich jedoch an der Kritik und an den Vorschlägen nichts geändert (BB Januar 2010)

(Scheinbar (!)Unveränderlich war :

o       Texte und zwei Noten auf dem Versetzungszeugnis in die Klasse drei und auf den Zeugnissen im dritten Schuljahr.

o       sechs Noten und – wenn die Schulkonferenz das so beschlossen hat – zusätzliche Texte ab Klasse vier.

o       Als Noten gibt es lediglich vier Stufen: sehr gut, gut, befriedigend und unbefriedigend.)

Das Ministerium lässt die Schulen dabei nicht allein. In einer Handreichung werden Vorschläge für Zielsetzungen und Verfahren der Notenfindung gemacht. Dabei wird – und das ist ausdrücklich positiv zu werten – die Beratungs- und Entscheidungskompetenz der einzelnen Schule respektiert und hervorgehoben. „Die weitere Konkretisierung kann nur jede einzelne Schule selbst vornehmen.“

...

Anfragen

Bevor wir uns an die Arbeit machen, ist für Grundschullehrerinnen und Grundschullehrer ganz besonders wichtig, sehr selbstbewusst daran zu erinnern, dass die Entwicklung des Arbeits- und Sozialverhaltens auch durch Bemerkungen auf Zeugnissen seit mehr als 30 Jahren zum Alltagsgeschäft der Grundschule gehört.

Aktuell aber gibt es gewisse Unsicherheiten.
So erreichen den Grundschulverband immer wieder Anfragen nach  Hintergrundinformationen und Handlungsmöglichkeiten. Auch wenn wir nach wie vor Noten und Kopfnoten innerhalb des Lernprozesses für falsch und schädlich halten, können wir das Feld nicht denen überlassen, die Pädagogik mit Notengeben verwechseln.

Deshalb bieten wir Hilfen an:

o       Hilfreich ist, was jüngst der Grundschulverband in seiner Reihe „Pädagogische Leistungskultur“ veröffentlicht hat.

o       Hilfreich ist auch, vor der Beratung über das konkrete Vorgehen einige wesentliche Facetten des Problemfeldes im Zusammenhang darzustellen. (Den ganzen Aufsatz gibt es als pdf-Datei)

o       Hilfreich kann auch sein, die langjährigen Erfahrungen mit individueller Förderung auch im Arbeits- und Sozialverhalten zu nutzen. Im letzten Teil dieses Textes werde ich ein Verfahren vorstellen, mit dem ohne großen Aufwand auch der Schaden, den die neuen „Kopfnoten-Zeugnisse“ anrichten, in Grenzen gehalten werden kann.

...

...

Was tun? 
Womit beginnen?

Sicherlich gibt es viele Wege und viele Gelegenheiten zu beginnen.
Wenn dabei das KIND im Mittelpunkt bleiben soll, könnten hier diese Stichwörter helfen:

K    kooperativ im Kollegium diskutieren und Vereinbarungen treffen.

I    individuelle Ziele für jede Klasse und jedes Kind entwickeln und möglich machen,

N    Nachrichten (Rückmeldungen) über die Fortschritte des Kindes nutzen für dessen weitere Entwicklung

D    differenzierter Gebrauch der  an sich dummen Kopfnoten!

Will man das berücksichtigen, scheint mir folgendes Vorgehen einigermaßen vernünftig, weil man das eigentlich Unmögliche, Unpädagogische und Unsinnige gleichwohl als Landesbeamter tun muss,  - und auch diejenigen, die Kopfnoten für wichtige Schritte für die Lösung eines Problems halten, sind nicht schlecht beraten, wenn sie über folgendes Prozedere nachdenken.

1.      Die Lehrerkonferenz berät über in dieser Schule angemessene und notwendige und mögliche Entwicklungsziele des Arbeits- und Sozialverhaltens. Ergebnis einer solchen Beratung könnte eine Liste sein, auf der gewünschtes Verhalten für Kinder verständlich zusammengefasst ist. An vielen Schulen gibt es Bausteine dafür bereits in Form der sog. Schulordnung.

2.      Eine solche Liste ist Grundlage des Unterrichts über Arbeits- und Sozialverhalten. Früher hieß diese Unterrichtseinheit: „Wir entwickeln unsere Klassenregeln (weiter)“. Ergebnis ist eine plakative Zusammenstellung der gewünschten Verhaltensweisen.

3.      In Bezug auf diese Zusammenstellung gibt es Gespräche über die individuellen Entwicklungsziele. Was kann ich schon? Was will/soll ich noch lernen? Die Lehrkraft bespricht und notiert (bzw. lässt notieren, wenn das Kind das bereits kann) was das einzelne Kind im Rahmen seiner individuellen Förderung in der nächsten Zeit erreichen soll/will.

4.      Vor den Zeugnissen wird besprochen, ob und in welchem Maße das Kind die mit ihm vereinbarten Entwicklungsziele erreicht hat. Das Ergebnis dieses Gesprächs ist Grundlage für eine bewertende Bemerkung in den Zeugnissen.

Bis hierher entspricht das Verfahren auch bei Zeugnissen ohne Kopfnoten einer an vielen Grundschulen üblichen Praxis, auch wenn der ein oder andere Schritt noch nicht im Schulprogramm formell verankert ist.

Wenn man das so macht, verlieren die „Kopfnoten“ einerseits ihren Schrecken, andererseits auch die von der Landesregierung beabsichtigte Wirkung. „gut“ kann dann wirklich jeder! Viele schaffen das „sehr gut“. Wer sich nicht immer bemüht hat, erreicht wenigstens ein „befriedigend“.

Im Zeugnis könnte zur Erklärung der Satz verankert werden: „Die Bewertung des  Arbeits- und Sozialverhaltens bezieht sich ausdrücklich auf die mit dem einzelnen Kind im Rahmen der individuellen Förderung verabredeten Entwicklungsziele.“

Bei manchen Kindern sind die individuellen Entwicklungsziele weit entfernt vom in der Schule akzeptablen Verhalten. Da könnten die eingeschränkten Ziele in Texten festgehalten werden.

Zum Schluss

Es bleibt dabei:

Kopfnoten sind unnütz!

Kopfnoten können dem Kind bei der Entwicklung seines Arbeits- und Sozialverhaltens erheblichen Schaden zufügen.

Gerade deshalb müssen wir im Interesse der Kinder ganz aktuell diesen Schaden so gering wie möglich halten – ohne allerdings Kopfnoten zu verharmlosen, denn das  würde den bildungspolitischen Widerstand gegen diesen Unsinn gefährden.

Wie so oft üben wir den „Pädagogen-Spagat“:
mit dem einen Bein im Morast der Gegenwart, mit dem anderen auf der Wolke der Zukunft.

 

Baldur Bertling,
10.12.2007
aktualisiert im Januar 2010