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Entwicklung von Arbeits- und Sozialverhalten ist
für Grundschulen in NRW nichts Neues. Schon seit mehr als 30 Jahren gibt es
auch dazu Bemerkungen auf den Grundschulzeugnissen.
Mit Beginn des Schuljahres 2007/08 galt eine
Neuregelung, die bereits ein Jahr später wieder revidiert wurde:...
Inzwischen gilt:
Drei Kopfnoten (Leistungsbereitschaft,
Zuverlässigkeit/Sorgfalt, Sozialverhalten) erstmals auf dem
Versetzungszeugnis in die Klasse 4. Vier Notenstufen: sehr gut, gut,
befriedigend, unbefriedigend)
Ich nenne hier noch die alte Regelung, die damals
Grundlage für diesen Beitrag war. Inhaltlich hat sich jedoch an der Kritik
und an den Vorschlägen nichts geändert (BB Januar 2010)
(Scheinbar (!)Unveränderlich war :
o
Texte und zwei Noten auf dem
Versetzungszeugnis in die Klasse drei und auf den Zeugnissen im dritten
Schuljahr.
o
sechs Noten und – wenn die
Schulkonferenz das so beschlossen hat – zusätzliche Texte ab Klasse vier.
o
Als Noten gibt es lediglich vier
Stufen: sehr gut, gut, befriedigend und unbefriedigend.)
Das Ministerium lässt die Schulen dabei nicht
allein. In einer Handreichung werden Vorschläge für Zielsetzungen und
Verfahren der Notenfindung gemacht. Dabei wird – und das ist ausdrücklich
positiv zu werten – die Beratungs- und Entscheidungskompetenz der einzelnen
Schule respektiert und hervorgehoben. „Die weitere Konkretisierung kann nur
jede einzelne Schule selbst vornehmen.“
...
Anfragen
Bevor wir uns an die Arbeit machen, ist für
Grundschullehrerinnen und Grundschullehrer ganz besonders wichtig, sehr
selbstbewusst daran zu erinnern, dass die Entwicklung des Arbeits- und
Sozialverhaltens auch durch Bemerkungen auf Zeugnissen seit mehr als 30
Jahren zum Alltagsgeschäft der Grundschule gehört.
Aktuell aber gibt es gewisse Unsicherheiten.
So erreichen den Grundschulverband immer wieder Anfragen nach
Hintergrundinformationen und Handlungsmöglichkeiten. Auch wenn wir nach wie
vor Noten und Kopfnoten innerhalb des Lernprozesses für falsch und schädlich
halten, können wir das Feld nicht denen überlassen, die Pädagogik mit
Notengeben verwechseln.
Deshalb bieten wir Hilfen an:
o
Hilfreich ist, was jüngst der
Grundschulverband in seiner Reihe „Pädagogische Leistungskultur“
veröffentlicht hat.
o
Hilfreich ist auch, vor der Beratung über
das konkrete Vorgehen einige wesentliche Facetten des Problemfeldes im
Zusammenhang darzustellen. (Den ganzen Aufsatz gibt es als pdf-Datei)
o
Hilfreich kann auch sein, die langjährigen
Erfahrungen mit individueller Förderung auch im Arbeits- und Sozialverhalten
zu nutzen. Im letzten Teil dieses Textes werde ich ein Verfahren vorstellen,
mit dem ohne großen Aufwand auch der Schaden, den die neuen
„Kopfnoten-Zeugnisse“ anrichten, in Grenzen gehalten werden kann.
...
...
Was
tun?
Womit beginnen?
Sicherlich gibt es viele Wege und viele
Gelegenheiten zu beginnen.
Wenn dabei das KIND im Mittelpunkt bleiben soll, könnten hier diese
Stichwörter helfen:
K kooperativ im Kollegium
diskutieren und Vereinbarungen treffen.
I individuelle Ziele für jede
Klasse und jedes Kind entwickeln und möglich machen,
N Nachrichten (Rückmeldungen)
über die Fortschritte des Kindes nutzen für dessen weitere
Entwicklung
D differenzierter Gebrauch der an sich
dummen Kopfnoten!
Will man das berücksichtigen, scheint mir
folgendes Vorgehen einigermaßen vernünftig, weil man das eigentlich
Unmögliche, Unpädagogische und Unsinnige gleichwohl als Landesbeamter tun
muss, - und auch diejenigen, die Kopfnoten für wichtige Schritte für die
Lösung eines Problems halten, sind nicht schlecht beraten, wenn sie über
folgendes Prozedere nachdenken.
1.
Die Lehrerkonferenz berät über in dieser
Schule angemessene und notwendige und mögliche Entwicklungsziele des
Arbeits- und Sozialverhaltens. Ergebnis einer solchen Beratung könnte eine
Liste sein, auf der gewünschtes Verhalten für Kinder verständlich
zusammengefasst ist. An vielen Schulen gibt es Bausteine dafür bereits in
Form der sog. Schulordnung.
2.
Eine solche Liste ist Grundlage des
Unterrichts über Arbeits- und Sozialverhalten. Früher hieß diese
Unterrichtseinheit: „Wir entwickeln unsere Klassenregeln (weiter)“. Ergebnis
ist eine plakative Zusammenstellung der gewünschten Verhaltensweisen.
3.
In Bezug auf diese Zusammenstellung gibt
es Gespräche über die individuellen Entwicklungsziele. Was kann ich schon?
Was will/soll ich noch lernen? Die Lehrkraft bespricht und notiert (bzw.
lässt notieren, wenn das Kind das bereits kann) was das einzelne Kind im
Rahmen seiner individuellen Förderung in der nächsten Zeit erreichen
soll/will.
4.
Vor den Zeugnissen wird besprochen, ob und
in welchem Maße das Kind die mit ihm vereinbarten Entwicklungsziele erreicht
hat. Das Ergebnis dieses Gesprächs ist Grundlage für eine bewertende
Bemerkung in den Zeugnissen.
Bis hierher entspricht das Verfahren auch bei
Zeugnissen ohne Kopfnoten einer an vielen Grundschulen üblichen Praxis, auch
wenn der ein oder andere Schritt noch nicht im Schulprogramm formell
verankert ist.
Wenn man das so macht, verlieren die „Kopfnoten“
einerseits ihren Schrecken, andererseits auch die von der Landesregierung
beabsichtigte Wirkung. „gut“ kann dann wirklich jeder! Viele schaffen das
„sehr gut“. Wer sich nicht immer bemüht hat, erreicht wenigstens ein
„befriedigend“.
Im Zeugnis könnte zur Erklärung der Satz
verankert werden: „Die Bewertung des Arbeits- und Sozialverhaltens bezieht
sich ausdrücklich auf die mit dem einzelnen Kind im Rahmen der individuellen
Förderung verabredeten Entwicklungsziele.“
Bei manchen Kindern sind die individuellen
Entwicklungsziele weit entfernt vom in der Schule akzeptablen Verhalten. Da
könnten die eingeschränkten Ziele in Texten festgehalten werden.
Zum
Schluss
Es bleibt dabei:
Kopfnoten sind unnütz!
Kopfnoten können dem Kind bei der Entwicklung
seines Arbeits- und Sozialverhaltens erheblichen Schaden zufügen.
Gerade deshalb müssen wir im Interesse der Kinder
ganz aktuell diesen Schaden so gering wie möglich halten – ohne allerdings
Kopfnoten zu verharmlosen, denn das würde den bildungspolitischen
Widerstand gegen diesen Unsinn gefährden.
Wie so oft üben wir den „Pädagogen-Spagat“:
mit dem einen Bein im Morast der Gegenwart, mit dem anderen auf der Wolke
der Zukunft.
Baldur Bertling,
10.12.2007
aktualisiert im Januar 2010
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