| Aus dem Ministerium | ||
19. August 2005 - Pressekonferenz zum SchuljahresbeginnSprechzettel der Ministerin Kommentar dazu |
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Das Maß aller DingeEin Kommentar "Das Maß aller Dinge ist das Wohl unserer Schülerinnen und Schüler," so erklärte Ministerin Sommer auf der Pressekonferenz zum Schuljahresbeginn. Wenn das so ist und bleibt, dann müssen wir uns um die Grundschule eigentlich keine Sorgen machen. Denn die Grundschule kann ja nicht gemeint sein, wenn Frau Minister Sommer mit ihren Reformen erreichen will, dass die Schule, "das Wohl der Schülerinnen und Schüler wieder in den Mittelpunkt stellt". Grundschule war - jedenfalls bis zum 22. Mai dieses Jahres - eine Schule, in der das Wohl jeden einzelnen Kindes stets im Mittelpunkt stand. Da braucht und darf sich nichts ändern, da muss sich nur einiges weiter entwickeln. Was wäre zum Wohle der Kinder?Zum Wohle der Grundschulkinder bliebe die wohnortnahe Grundschule als Schule für alle erhalten, würde eine sichere Balance gehalten zwischen Leistungserziehung und Leistungsbeurteilung, wären erziehender Unterricht und gestaltetes Schulleben wesentliche Säulen der Bildungs- und Erziehungsarbeit in der Grundschule. Zum Wohle der Kinder unterbliebe alles, was Unruhe und Stress bereitet und so zu krankheitsbedingtem Unterrichtsausfall in den Schulen führt. Zum Wohle der Kinder behielte Beratung ihren Stellenwert, zum Wohle der Kinder bliebe die Entwicklung des Schulprogramms eine wesentliche Aufgabe der Lehrerkonferenzen. Zum Wohle der Kinder stünde auch die Zeit dafür zur Verfügung: zwei Elternsprechtage und zwei Ganztagskonferenzen im Schuljahr dienten weiterhin der Beratung und Schulentwicklung. Zum Wohle der Kinder würden Unterstützungssysteme ausgebaut, damit Grundschulkinder überall im Lande die Ziele der Richtlinien und Lehrpläne erreichen könnten - auch wenn ihre Ausgangslage schwieriger ist. Diese Liste ließe sich fortsetzten - wir verweisen auf unsere Münsteraner Erklärung aus dem Jahre 2003. Was will diese Landesregierung?Wenn die Ministerin die Grundschule, die dem Wohle der Kinder dient, erhalten will, hat sie noch einiges an Arbeit vor sich. Denn die neue Landesregierung will anderes. Nur drei Beispiele seien genannt: Mittelfristig - ab 2008 - soll die wohnortnahe Grundschule ersetzt werden durch Angebotsschulen, deren Unterschiede einem öffentlichen Leistungsvergleich zu entnehmen sind. Kurzfristig - ab 2006 - soll die differenzierte individuelle Leistungserziehung durch Ziffernnoten angereichert und so der Leistungsbeurteilung untergeordnet werden. Sofort werden die Bedingungen für Beratung in der Schule radikal verschlechtert. Mit nicht ganz abgesichertem Hinweis auf das neue Schulgesetz werden die Schulen im Lande gebeten, Elternsprechtage auf den Nachmittag oder den Samstag zu verlegen.
Klärende GesprächeOb
das alles so tatsächlich kommt, scheint noch ein wenig offen.
Schließlich hat die Ministerin öffentlich erklärt, sie "werde
... in den kommenden Wochen und Monaten einen intensiven Dialog mit
allen gesellschaftlichen Gruppen, Verbänden und Organisationen beginnen". Baldur Bertling, Pressesprecher der Landesgruppe |
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Die Ministerin im Wortlaut- allerdings gilt nur das gesprochene Wort. Der Text stammt aber von der offiziellen Website des Ministeriums. (Quelle unten. |
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Sprechzettel
der Barbara Sommer für die Pressekonferenz zum
Schuljahresbeginn 2005/2006
- Es gilt das gesprochene Wort - Sehr geehrte Damen und Herren, heute ist ein guter Tag für die Schulen in unserem Land. Es ist ein guter Tag für die Schülerinnen und Schüler. Bis jetzt haben wir 936 zusätzliche Lehrerstellen besetzt. Dies ist ein großartiger Erfolg der neuen Landesregierung im Kampf gegen Unterrichtsausfall. Wir haben die Einstellung von zusätzlichen 1.000 Lehrerinnen und Lehrern zum neuen Schuljahr versprochen. Wir werden unser Versprechen halten. Denn die Zahl von 936 Einstellungen wird sich im Laufe des Tages noch weiter erhöhen. Genaue Informationen zur Verteilung der Stellen auf die einzelnen Regierungsbezirke und Schulformen werden wir Ihnen im Laufe des heutigen Tages zur Verfügung stellen. Mehr als 5 Millionen Unterrichtsstunden sind im abgelaufenen Schuljahr ausgefallen, trotz aller Beteuerungen der alten Landesregierung. Das hat eine aktuelle Untersuchung bestätigt. Es hat sich also in den zwei Jahren seit der letzten Erhebung nichts, aber auch gar nichts verbessert. Als weitere Sofortmaßnahme gegen den Unterrichtsausfall haben wir auch die Mittel für "Geld statt Stellen" um 20 Mio. Euro auf 115,5 Mio. Euro aufgestockt. Für den Zeitraum August bis Dezember dieses Jahres entspricht das einem Wert von weiteren 1.000 Lehrerstellen. Ohne diese Aufstockung wäre Ende Oktober kein Geld mehr für Vertretungsunterricht vorhanden gewesen. Für die Landesregierung hat Unterricht Vorrang vor allem anderen. Deshalb erwarte ich, dass z.B. Veranstaltungen außerhalb des Unterrichts so organisiert werden, dass kein Unterricht ausfällt. Das Prinzip ist einfach: Es ist ein Geben und Nehmen. Dies habe ich den Schulen bereits in einem Brief mitgeteilt. Auf der anderen Seite werde ich immer wieder prüfen, wie wir die Arbeit in den Schulen erleichtern und sie unterstützen können. Ich möchte den enormen Verwaltungsaufwand für die Lehrerinnen und Lehrer abbauen, damit sie sich wieder mehr auf ihre eigentliche Aufgabe, das Unterrichten, konzentrieren können. Erste Schritte sind bereits getan: Zu ihrer Entlastung werden wir den mit der Schulprogrammarbeit und der internen Evaluation für die Schulen verbundenen Organisationsaufwand reduzieren. Der für Ende des Jahres zu erstellende Bericht zur Evaluation des Schulprogramms entfällt. Ebenso werden wir die Schulen bei der Durchführung der Lernstandserhebungen entlasten. So werden zum Beispiel die Tests in der Grundschule gestrafft. In der Sekundarstufe I wird das Rückmeldeverfahren an Eltern und Schüler vereinfacht und die Auswertung der Tests in den Fächern Deutsch und Englisch grundlegend überarbeitet. Durch diese Entlastungen haben die Lehrerinnen und Lehrer mehr Zeit für die 2.931.070 Schülerinnen und Schüler, die in diesem Schuljahr an den 6.395 Schulen des Landes unterrichtet werden. seit acht Wochen bin ich Schulministerin in Nordrhein-Westfalen. Es ist ein Amt, das ich sehr ernst nehme. Und gerade deswegen sind für mich Schulreformen in diesem Land mehr als wichtig. Ziel dieser Reformen soll eine Schule sein, die wieder verlässlich ist und Vertrauen schafft bei Schülerinnen und Schülern, bei Eltern und nicht zuletzt bei Lehrerinnen und Lehrern. Eine Schule ohne Beliebigkeit und mit klarer Werteorientierung. Eine Schule mit mehr Kontinuität statt ständig neuer Erlasse, Verordnungen und Modellversuche. Eine Schule, in der Bildung, Erziehung und Unterricht mehr Wertschätzung erfahren. Eine Schule, in der ein stärkenorientierter Förderbegriff gelebt wird. Eine Schule, die das Wohl der Schülerinnen und Schüler wieder in den Mittelpunkt stellt. Das kommende Schuljahr wird ein wichtiges Schuljahr, ein Schuljahr, in dem es für uns viel zu tun gibt. Erst vor wenigen Wochen hat PISA der Bildungspolitik in unserem Land erneut ein niederschmetterndes Zeugnis ausgestellt. Die PISA- Ergebnisse haben gezeigt, dass NRW neben Bremen das Land mit der höchsten Abhängigkeit der schulischen Leistung von der sozialen Herkunft ist. Um so wichtiger ist die Förderung von Schülerinnen und Schülern aus einem schwierigem Umfeld. Deshalb wird die Hauptschule nach Jahren der Vernachlässigung wieder eine wichtige Rolle in der Bildungspolitik der Landesregierung spielen. Die Hauptschulen stärken wir durch die gezielte Zuweisung von Lehrerstellen. Dabei soll es eine stärkere Ausrichtung auf die Kernkompetenzen Lesen, Schreiben und Mathematik geben. Für Kinder mit Sprachdefiziten sollen zusätzliche Maßnahmen zur Sprachförderung angeboten werden. Um die Zukunftschancen gerade von Hauptschülerinnen und -schülern zu verbessern, hat die neue Landesregierung bereits reagiert: Bis zum Jahr 2012 werden in der Hauptschule 50.000 Ganztagsplätze geschaffen. Bereits zum nächsten Schulhalbjahr beginnen wir damit. Der Ministerpräsident hat in seiner Regierungserklärung für dieses Jahr 24 Mio. Euro zusätzlich für Ganztagsangebote in der Grund- und Hauptschule angekündigt. Damit haben wir nach Verabschiedung des Nachtragshaushaltes das Geld, um ab dem 2. Schulhalbjahr rund 14.000 Plätze in der Hauptschule zu schaffen. Wichtige Partner sollen die Wirtschaft und das Handwerk werden. Mir liegt auch sehr daran, dass wir die Lehrerinnen und Lehrer, die in diesen häufig nicht einfachen Klassen unterrichten, besonders unterstützen. Wir wollen uns um die jungen Menschen kümmern, die zur Zeit besonders geringe Chancen haben, einen Ausbildungsplatz zu erhalten. Im vergangenen Schuljahr waren dies fast 40.000 Jugendliche in NRW. Wir müssen alles daran setzen, dass diese Jugendlichen eine realistische Perspektive bekommen. Wir wissen, dass ein qualifizierter Abschluss die Voraussetzung für einen guten Start ins Berufsleben ist. Wir haben bereits Gespräche geführt und werden im Ausbildungskonsens bald Ergebnisse präsentieren. Meine Damen und Herren, Sie sehen, dass ich umgehend nach meinem Amtsantritt dort gehandelt habe, wo besonders dringender Handlungsbedarf war. Das betrifft auch das neue Schulgesetz, das am 1. August 2005 in Kraft getreten ist. Hier haben wir bereits eine Novellierung zu zwei Punkten vorgenommen, die bereits für das neue Schuljahr gelten und Ihnen bekannt sind: Halbjahreszeugnisse in Klasse 3 und Nichteinführung des Faches Naturwissenschaft: Kommen wir nun zur Novellierung des Schulgesetzes. Mit den Vorarbeiten für den Entwurf eines neuen Schulgesetzes ist bereits begonnen worden. Ziel ist es, das novellierte Schulgesetz zum 01.08.2006 in Kraft treten zu lassen. Wir wollen einen grundsätzlichen Wechsel der bildungspolitischen Philosophie in unserem Land. Wir wissen, dass Leistung und Leistungsbereitschaft etwas Positives sind. Das darf nicht länger verschwiegen werden. Leistungsbereitschaft muss daher wieder Anerkennung finden. Wir wollen sie wieder wertschätzen. Eine neue Philosophie bedeutet aber auch, dass wir keine Bildungspolitik der Gleichmacherei wollen. Jedes Kind ist anders und darum werden wir die stärkenorientierte Förderung unserer Kinder und Jugendlichen verbessern. Meine persönliche Erfahrung als Schulamtsdirektorin und wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen mir, dass wir den Bereich der Frühförderung stärken müssen. Deshalb wollen wir die Lernfähigkeit und Lernfreude der Kinder nutzen. Wir werden das Einschulungsalter schrittweise vorziehen. Parallel dazu erarbeiten wir unverzüglich ein abgestimmtes, fachlich solides Konzept mit Lehrerinnen und Lehrern für Kinder in der Schuleingangsphase. Auch an die Einführung von Englisch ab Klasse 1 werden wir behutsam und in pädagogischer Verantwortung herangehen. Zur aktuellen Diskussion um die Abschaffung der Schulbezirke möchte ich Folgendes anmerken. Man kann die Schulen erst dann in einen Wettbewerb bringen, wenn zunächst vergleichbare Voraussetzungen geschaffen und die pädagogische Arbeit an schwierigen Standorten erleichtert worden ist. Das ist unsere Aufgabe. Im Koalitionsvertrag ist dies genauso festgelegt, dass die Kommunen bis zum Jahr 2008 eine Übergangszeit zur Vorbereitung auf eine veränderte Schulentwicklungsplanung erhalten. Daran halten wir uns. Mir ist wichtig, dass Erziehung wieder in den öffentliche Raum zurückkehrt. Erziehung geht alle an. Erziehung kann niemals wertfrei sein. Sie muss sich an konkreten Werten orientieren. Zum Beispiel ist eine positive Arbeitshaltung ein ganz wichtiger Wert an sich. Darum werden wir durch verbindliche Dokumentation des Arbeits- und Sozialverhaltens auf den Zeugnissen den erzieherischen Auftrag der Schulen wirksam stärken. Unsere Schulen brauchen eine höhere Ausrichtung an Qualitätsstandards. Wichtig ist mir dabei, dass nicht nur über Leistung gesprochen, sondern überprüfbare Leistung zum Maßstab unseres Handelns wird. Aus diesem Grund wollen wir auch, dass sich die Schulen im Rahmen der Verantwortung und der Aufsicht des Staates dem Wettbewerb stellen. Dies funktioniert nur, wenn die Schulen selbstständig und eigenverantwortlich handeln können. Darum werde ich mich zunächst über die bisherigen Ergebnisse des Modellprojekts "Selbstständige Schule" informieren. Ich möchte in der nächsten Zeit die an dem Projekt beteiligten Gruppen anhören. Nach Auswertung der Gespräche werde ich über die zukünftige Akzentuierung des Projektes entscheiden. Ein weiterer Baustein zur Qualitätsentwicklung und Qualitätssicherung in Schulen sind zentrale Prüfungen. Diese werden wir am Ende der Sekundarstufe I und als Zentralabitur einführen. Durch sie soll das Anforderungsniveau für die angestrebten Abschlüsse transparenter gemacht werden. Gleichzeitig soll hierdurch zu einer besseren Vergleichbarkeit der Abschlüsse beigetragen werden. Das bedeutet für nordrhein-westfälische Schülerinnen und Schüler, dass sie künftig zum Erwerb des Hauptschulabschlusses nach Klasse 10 an allen Schulformen oder zum Erwerb des mittleren Schulabschlusses eine schriftliche Prüfung in den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch ablegen müssen. Eine solche Prüfung ist erstmalig für Schülerinnen und Schüler vorgesehen, die im Schuljahr 2006/2007 die zehnten Klassen aller Schulformen besuchen. Ab dem Jahr 2007 wird es auch in Nordrhein-Westfalen zentrale Abiturprüfungen geben. Das haben wir seit Jahren gefordert. Bildung und Erziehung geht alle in unserer Gesellschaft an. Darum werde ich in den kommenden Wochen und Monaten einen intensiven Dialog mit allen gesellschaftlichen Gruppen, Verbänden und Organisationen beginnen. Bei meiner Arbeit werde ich von vielen Seiten unterstützt. Natürlich kann man den neuen Zuschnitt meines Hauses bedauern. Ich aber sehe ihn als große Chance, nicht zuletzt, weil sich dadurch bereits auch zahlreiche Kooperationsmöglichkeiten mit meinen Kabinettskolleginnen und -kollegen ergeben haben. Ich bin mir der gewaltigen Aufgaben, die das neue Schuljahr bringen wird, durchaus bewusst. Ich bin mir aber auch sicher, dass es mir gemeinsam mit den Lehrerinnen und Lehrern sowie den Eltern gelingen wird, im neuen Schuljahr ein großes Stück voranzukommen. Wie immer soll dabei für mich gelten: Das Maß aller Dinge ist das Wohl unserer Schülerinnen und Schüler. Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit und freue mich nun auf Ihre Fragen. http://www.bildungsportal-nrw.de/BP/Ministerium/Ministerin_Sommer/Reden/19082005/index.html
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