IGLU und PISA
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Seite neu am 1. Dezember 2007 - zuletzt bearbeitet am 03.12.2007 |
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Grundschulverband NRW im GesprächDas Internetportal der WAZ Mediengruppe berichtete über die Iglu-Ergebnisse und zitierte dabei aus einem Gespräch mit dem Pressesprecher der Landesgruppe NRW des Grundschulverbandes |
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Grundschulstudie:
Im Lesen gut
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(Essen.) Deutschlands Grundschüler können mit ihrer Leseleistung im weltweiten Vergleich gut mithalten. Bei der zweiten internationalen IGLU-Grundschulstudie belegten sie Rang elf unter 35 Nationen und zehn Regionen. Damit landeten die deutschen Viertklässler auf dem gleichen Platz wie beim ersten solchen Test 2001. Bei der Punktezahl zum Leseverständnis konnten sie etwas zulegen. Gleichzeitig wird die deutsche Schule aber sozial immer ungerechter. Dies geht aus der in Berlin vorgestellten neuen IGLU-Untersuchung hervor. Sozial schwache Kinder haben es nach den Erfahrungen von Baldur Bertling, Sprecher des NRW-Grundschulverbandes, immer noch schwerer, nach der Grundschule auf ein Gymnasium zu wechseln, als ihre Mitschüler aus der Oberschicht. Dabei ist die schulische Leistung nicht immer der einzige Faktor. „Die Schule versucht einzuschätzen, welche Chancen das Kind in der weiterführenden Schule hat“, erklärt Baldur Bertling. „Eltern aus bildungsnahem Umfeld werden in der Regel nachdrücklicher dafür sorgen, dass ihr Kind gefördert und gefordert wird.“ Allerdings seien Lehrer dabei manchmal Spielball der Gesellschaft, wenn Eltern den Wechsel auf das Gymnasium ausdrücklich wünschen. Demnach fällt es Zehnjährigen aus der Oberschicht immer leichter, selbst bei weit unterdurchschnittlichen Leistungen eine Empfehlung ihrer Grundschule für den Besuch des Gymnasiums zu erhalten. Von einem Kind aus einem einfachen Arbeiterhaushalt dagegen werden dafür Spitzenleistungen verlangt. «Dieser Befund ist 2006 noch deutlicher als 2001 sichtbar», heißt es. Die umstrittene Schullaufbahnempfehlung der Grundschule hat seit dem deutschen PISA-Schock 2001 in mehreren Bundesländern wieder erheblich an Bedeutung gewonnen. IGLU-Test an 397 SchulenBei IGLU wird nicht nur das Lesevermögen selbst getestet, sondern vor allem die Fähigkeit, aus dem Gelesenen Schlüsse zu ziehen. In Deutschland wurde der Test im Frühjahr 2006 an 397 Schulen gemacht. Insgesamt nahmen daran 7900 Viertklässler teil. Dabei schafft es die deutsche Grundschule laut Studie recht gut, am Ende der vierten Klasse insgesamt ein hohes Leseniveau zu erreichen. Der Anteil der «Risikokinder» wird mit 13,2 Prozent als «vergleichsweise gering» ausgewiesen. Gegenüber 2001 sank er. Beim PISA-Test, der die Leistungen am Ende des zehnten Schuljahres misst - also bei 14- bis 15-Jährigen - gilt dagegen in Deutschland nahezu jeder vierte als «Risikoschüler» - mit erheblichen Problemen beim Berufseinstieg. Neue PISA-Ergebnisse werden in der kommenden Woche vorliegen. Schlechtere Ergebnisse für MigrantenkinderIn Deutschland haben Kinder aus «bildungsnahen Elternhäusern» mit 67 Punkten einen deutlichen Leistungsvorsprung vor Kindern aus «bildungsfernen» Familien. Laut Studie fällt dieser Vorsprung deutlich größer aus als im internationalen Mittel. Deutsche Kinder erzielen in der vierten Klasse bessere Leseleistungen als Kinder aus Migrantenfamilien. Gerade sozial schwache Kinder müssten erst von der Grundschule „begabt“ werden, betont Baldur Bertling. „Dafür sind vier Jahre aber oft zu kurz.“ Darum fordert der Grundschulverband in NRW die Verlängerung der Grundschulzeit. „Wir brauchen mehr Zeit. Im Moment müssen wir die Schüler ja geradezu durch den Stoff peitschen. Die Schüler sollen gemeinsam länger lernen“, erklärt Baldur Bertling, der gleichzeitig an einer Schule in Dinslaken unterrichtet. „Und wir brauchen gebundene Ganztagsschulen. Heute haben Drittklässler schon sechs Stunden Unterricht.“Gute Noten haben die Grundschüler bislang für ihre Lesekompetenz erhalten. „Wir sehen das als ein beherztes ‚Macht weiter!’“, erklärt Baldur Bertling. Lesen habe in den Grundschulen stets einen hohen Stellenwert. Im Unterricht wird viel gelesen, es gibt Vorlesetage, Schülerbibliotheken und Leseecken. Förderung in NRWAuch das NRW-Schulministerium hat den Wert des Lesens längst erkannt und freut sich über die überdurchschnittlich guten Ergebnisse der deutschen Grundschüler. Zahlreiche Maßnahmen zur Sprachförderung sind bereits auf den Weg gebracht worden. Vom Ausbau der vorschulischen Sprachförderung über verbindliche Spracheinschätzungen für alle vierjährigen Kinder bis zur Einführung von Englischunterricht an den Grundschulen, um nur einige Beispiele zu nennen. „Heute werden so viele Inhalte schriftlich kommuniziert. Da kommt man ohne Lesen nicht weit“, weiß Baldur Bertling. „Lesen ist der Schlüssel zur Welt.“ Umso bedauerlicher, dass es immer noch Kinder gibt, die durch das Schulsystem rutschen, ohne richtig lesen gelernt zu haben. „Die gibt es, ganz klar. Das ist sehr bedauerlich“, stellt der Sprecher des NRW-Grundschulverbands fest. „ Diese Kinder lesen Texte nicht, sie lernen bekannte Sätze auswendig und geben sie dann wieder. Wenn sie dann neue Texte lesen sollen, entwickeln sie äußerst geschickte Techniken, um zu vertuschen, dass sie nicht gut lesen können.“ Und auch um dieses Problem einzudämmen wünscht sich Baldur Bertling vor allem eins: „Mehr Zeit zum Lernen.“ (kari/dpa) aus: http://www.derwesten.de/nachrichten/nachrichten/2007/11/28/news-7446200/detail.html
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