Grundschultage
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20. Grundschultag in Oberhausen, 20.6.2002

Fundamente stärken

 

Handzettel des
Bündnisses für eine zukunftsfähige Grundschule

Von Europa lernen 
- Was Grundschule in NRW wirklich braucht.

Über den bildungspolitischen Teil des 20.Grundschultages
Originalbericht 

Grundsätzliche Gedanken
Bericht in der NRZ - Überregional

1000 Lehrer kamen zum Grundschultag
Kurznachricht in der NRZ - Lokalausgabe Oberhausen

Handlungsbedarf liegt nicht in Grundschulen
WAZ - 22.06.2002 / LOKALAUSGABE / OBERHAUSEN

Diesen Handzettel fanden die Teilnehmer auf ihren Sitzen:

Handzettel
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Text des Handzettels

Wer sich am Kopf verletzt hat, 
soll sich den Fuß nicht verbinden!

Nach Pisa begrüßen wir die Diskussion um Bildung und Erziehung. Wir bedauern allerdings, dass konkrete Veränderungen vorwiegend für die Grundschule diskutiert werden, die eigentlich nur mittelbar betroffen ist. Ohne eine gründliche Diskussion und Veränderung der weiterführenden Schulen und der Schulstruktur insgesamt, werden weitere Reformen, die sich allein auf die Grundschule beziehen, ohne nachhaltige Wirkung bleiben.

 

Selbst Kühe 
werden nicht vom Wiegen fett 
sondern vom Füttern!

 Die Grundschule in NRW hat eine gute und brauchbare Ausbildungsordnung. Die Richtlinien und Lehrpläne von 1985 sind in ihren Kernaussagen immer noch Wegweiser für die Weiterentwicklung der Grundschule. Ihre Aktualisierung muss in breiter offener Diskussion geschehen, damit alle Beteiligten sie tragen und umsetzen können. Schule braucht keine detaillierten Messlatten z.B. in Form von zentralen Vergleichsarbeiten, wie sie innerhalb der KMK zur Zeit diskutiert werden! Die Erfahrungen europäischer Länder weisen in ganz andere Richtungen.

Wir setzen weiter auf Reformen
für eine zukunftsfähige Grundschule!

Damit die Kernaussagen der Richtlinien und Lehrpläne überall umgesetzt und die Arbeit an Grundschulen weiter verbessert werden kann,
fordern wir: 

·       Bei der Arbeit an Richtlinien und Lehrplänen Betroffene beteiligen - nicht Beteiligte betroffen machen!

·       Mehr Zeit zum gemeinsamen Lernen und Lehren ! 

·       Mehr Personal für Integration, Differenzierung und schulpsychologische Beratung! 

·       Sicherung der pädagogischen Lehrerausbildung! 

·       Bildungsfinanzierung vom Kopf auf die Füße stellen! 

Nur durch konkrete Schritte in diese Richtung
werden die Fundamente gestärkt,
auf denen die notwendige Reform
der weiterführenden Schulen und der Schulstruktur aufbauen kann!

GEW / GSV - 20. Grundschultag:
 Fundamente stärken!“ - Oberhausen – 21. Juni 2002

- Handzettel  des Bündnisses für eine zukunftsfähige Grundschule  -
– v.i..S.d.P : Rixa Borns (GEW)  Baldur Bertling, (GSV) -

... mehr Informationen im Internet:

Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft:....www.gew-nrw.de
Grundschulverband: www.grundschulverband-nrw.de
Kinderschutzbund: www.Kinderschutzbund-nrw.de
Landesverband Schulpsychologie:  www.Schulpsychologie-nrw.de
Aktion Humane Schule: www.ahs-nrw.de 
LAG Gemeinsam leben- Gemeinsam lernen: www.gemeinsamleben-gemeinsamlernen.de

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Von Europa lernen 
- Was Grundschule in NRW wirklich braucht.

Über den bildungspolitischen Teil des 20.Grundschultages

von Baldur Bertling

Gut 300 Lehrerinnen und Lehrer verfolgten die Einführungsveranstaltung, bei der nach einem einführenden Referat eine Gesprächsrunde diskutieren sollte, was Grundschule in NRW wirklich braucht. Das Referat hielt Prof. Dr. Rudolf Schmitt aus Bremen, auf dem Podium saßen Vertreter der vier Landtagsparteien, sowie die Vorsitzende der Landesfachgruppe Grundschule der GEW und der Referent für den GSV. Die Leitung hatte Christa Jungmann, freie Mitarbeiterin des WDR.

 Was man aus Pisa folgern kann – und was nicht

Rudolf Schmitt begann mit einem einfachen aber wichtigen wissenschaftstheoretischen Gedanken: Korrelation ist noch keine Kausalität. Wo aber nicht mal eine Korrelation besteht, braucht man eine Kausalität nicht zu vermuten. Also untersuchte Rudolf Schmitt in seinem Referat, welche der aktuellen bildungspolitischen Diskussionspunkte mit den Pisaergebnissen korrelieren und welche nicht.

Überraschend und überzeugend konnte er darstellen, dass es keinen Zusammenhang gibt zwischen Einschulungsalter, Art der Leistungsbewertung, Anzahl der Unterrichtsstunden  oder Höhe der Bildungsausgaben einerseits und Ergebnissen der PISA-Studie andererseits. Vorschläge und Forderungen in diesen Bereichen verlieren deshalb ihre Berechtigung nicht. Die Ergebnisse der Pisa-Studie können aber bei der Diskussion dieser Themen  nicht als Argument angeführt werden. Dies ins Stammbuch der Politiker, die ohne näher hinzusehen PISA als Begründung für alte Vorstellungen missbrauchen!

Genauso klar ist aber die Korrelation zwischen einer mindestens 8 jährigen Phase gemeinsamen Lernens in Ganztagsschulen ohne Sitzen bleiben und dem Lernerfolg. Alle Länder, die bei PISA besser abschnitten als Deutschland haben diese mindestens 8 jährige Phase gemeinsamen Lernens in Ganztagsschulen ohne Sitzen bleiben - Deutschland und alle im Rangplatz noch niedriger eingestuften Länder erfüllen diese Kriterien ganz oder teilweise nicht.
Der aufmerksame Beobachter der bildungspolitischen Diskussion wundert sich nun noch mehr, wie es bisher gelungen ist, die bei PISA tatsächlich getestete Schulstufe so nachhaltig aus der Diskussion herauszuhalten.

Podiumsdiskussion

Das Podium nahm diesen Gedanken nur zögerlich auf. Für konkrete Aussagen zur Reform der Schulstruktur waren die anwesenden Politiker nicht zu haben. Zwar fehlt das Geld an allen Enden - aber wenn der politische Kleinmut wirkliche Visionen verhindert, entsteht auch nicht die Bereitschaft die vorhandenen Chancen zur Neuordnung des Schulsystems zu nutzen.

Hier wurde deutlich, wie wichtig die politische Arbeit von GEW und GSV ist und mit wie viel Geduld und Nachdruck die Argumente vorgetragen werden müssen.

Pressekonferenz

Anschließend nutzten GEW und GSV das Gespräch mit der Presse, um noch einmal die Diskussion um die Grundschule als Ablenkungsmanöver zu brandmarken.

Fundamente stärken - dieses Motto weist nämlich in zwei Richtungen;

·        Nach innen wollen GEW und GSV die Grundschule weiter stärken. Dazu dienen auch die mehr als 50 Arbeitsgruppen, in denen hier beim Grundschultag die Weiterentwicklung der Primarstufe konkret verfolgt wird.

·        Nach außen aber muss mit Nachdruck gefordert werden, dass die Weiterführenden Schulen die Grundschule  endlich als Fundament anerkennen und deren Pädagogik weiterverfolgen. Mit Integration und Differenzierung, mit Fördern und Fordern, mit erziehendem Unterricht und Schulleben schafft die Grundschule Fundamente, auf denen eigentlich eine integrierte Ganztagsschule ohne Sitzen bleiben aufbauen könnte.

 

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Grundsätzliche Gedanken 

NRZ (Mantel) 21.06.2002

PISA / Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft fordert von NRW-Schulministerin Gabriele Behler mehr Mut zur Reform.  

OBERHAUSEN. Das Übel an den Wurzeln packen wollen die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und der Grundschulverband (GSV) NRW. Die Grundlagen der schlechten Ergebnisse der Pisa-Studie müssten bei jüngeren Kindern gesucht werden. Das erklärte gestern der Bremer Erziehungs- und Bildungswissenschaftler Rudolf Schmitt, Gastredner beim GEW-Grundschultag im Oberhausener Heinrich-Heine-Gymnasium.

Auf dem Treffen mit knapp 1000 Lehrern aus NRW wurden die Pläne der Landesregierung zur verstärkten Ganztagsbetreuung an Grundschulen als unzureichend gerügt. Nach Plänen von Bildungsministerin Gabriele Behler (SPD) soll ab dem nächsten Schuljahr jede dritte Grundschule und ab 2007 für zwei Drittel aller Grundschüler eine Ganztagsbetreuung angeboten werden. Dafür, so Rixa Borns, Vorsitzende der GEW-Fachgruppe Grundschule, fehle eindeutig das Geld. "Für eine richtige Granztagsschule brauchen wir deutlich mehr pädagogisch qualifiziertes Personal."

Die Lehrergewerkschaft setzt vielmehr auf eine Reform des Schulsystems und wirft den Politikern vor, für diesen Schritt zu wenig Mut aufzubringen. Für Schmitt sollten außerdem die Kindergärten ausgeweitet und die Grundschulzeit deutlich verlängert werden é möglichst auf acht Jahre. Für die zehn- bis 16-Jährigen sollte ein anderes Schulsystem erarbeitet werden.

Längeres gemeinsames Lernen aller Schüler und die Ganztagsschule sind für Borns die wichtigsten Voraussetzung für bessere Leistungen. "Wir brauchen nicht mehr Tests, sondern mehr Investitionen, um differenzieren, beraten und integrieren zu können", forderte Borns.

Sie forderte außerdem, dass der Kindergartenbesuch für Fünfjährige zur Pflicht werden müsse. "Manche Schüler können noch nicht einmal einen Satz geradeaus sprechen", beschreibt Borns die Situation. Damit seien nicht nur Kinder ausländischer Eltern gemeint. Die GEW-Vorsitzende sieht Defizite aber nicht nur im verbalen, sondern auch im motorischen Bereich. "Einige Kinder können nicht mit Messer und Gabel essen, oder auf einem Bein hinkeln."

Von Defiziten will Baldur Bertling, Dinslakener Lehrer, dagegen nicht sprechen. Für ihn ist es der "unterschiedliche Entwicklungsstand", der die Differenz bei den Schülern in Deutschland aber auch zu anderen Pisa-Ländern ausmacht. Er sieht auch Versäumnisse in den Elternhäusern. Am Ende blieben Differenzen, "die in vier Jahren Grundschule nicht vollständig abgebaut werden können", sagte Bertling. (zak/NRZ)

                       

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1000 Lehrer kamen zum Grundschultag 

21.06.2002 / LOKALAUSGABE / OBERHAUSEN                      

Beinahe 1000 Lehrer aus ganz Nordrhein-Westfalen trafen sich gestern zum Grundschultag im Heinrich-Heine-Gymnasium. Auf Einladung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und des Grundschulverbandes (GSV) wurde dieses landesweit größte bildungspolitische Forum bereits zum 20. Mal angeboten. Vorrangiges Thema war einmal mehr die Pisa-Studie, unter besonderer Berücksichtigung der Grundschul-Situationen. Das Treffen gabs im Gymnasium, "weil keine Grundschule dieses Raumangebot hat", erklärte Rixa Borns, GEW-Vorsitzende für die Grundschulen. 
(zak)

 

 

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WAZ - 22.06.2002 / LOKALAUSGABE / OBERHAUSEN

Handlungsbedarf liegt nicht in Grundschulen

Über 200 Lehrer/innen aus NRW beim 20. Grundschultag

  Von Olivia Fischer

Gerne zitiert man den Ausspruch "Back to the roots" - doch im Hinblick auf das unterdurchnittliche Abschneiden bei der PISA-Studie, ist die Ursachenforschung nicht unbedingt an der Wurzel Grundschule anzusetzen.

Über die Ergebnisse selbst zeigten sich die Wenigsten überrascht, zumal ja schon der Leistungsvergleich "Timms" vor vier Jahren deutschen Schülern schwache Leistungen attestierte. Einige Befunde der Studie erstaunten und offenbaren zweifelsohne Handlungsbedarf: Etwa der deutliche Zusammenhang von sozialer Herkunft und Schulerfolg ist in keinem anderen Land so ausgeprägt wie in Deutschland. Auch die Spanne zwischen guten und schlechten Schülern ist so enorm wie in keinem anderen Land. Auf der gestrigen Veranstaltung wurden demgemäß die Gründe für die Lernmisere als auch über geplante Veränderungen Grundschulsystem diskutiert. "Lange Zeit haben wir keinerlei Beachtung erfahren und jetzt wird uns der Schwarze Peter zugeschoben", sagt Rixa Borns, Landesvorsitzende der Fachgruppe Grundschulen in der GEW. Es werde doch nur davon abgelenkt, was in den weiterführenden Schulen passieren würde.

 Belächelt wurden Vorschläge seitens des Ministeriums, zum Beispiel mit den Kindern gemeinsam Bücher auszuleihen: "Wie soll das funktionieren, wenn nach und nach die Stadtteilbüchereien schließen", verwies Rixa Borns auf die "oft weit entfernten Politikeräußerungen". Ferner wurden die Forderungen nach mehr Fachunterricht und die damit einhergehende Abschaffung des "einen Lehrers" kritisiert. Die Fachkenntnis könne nicht ohne die Pädagogik stehen: "An heißen Tagen ist es doch sinnvoller mit den Kindern zu spielen. Ein Fachlehrer müsste den Unterricht aber durchziehen, weil nach 45 Minuten der Wechsel stattfinden würde", plädiert Borns für einen anwendungs- und verstehensorientierten Unterricht.

 Ein Beispiel von dem Bremer Professor Dr. Rudolf Schmitt, der eine hervorragende Einführung zum Thema "Nach PISA: Von Europa lernen" lieferte, zeigt, dass es durchaus sinnvoll wäre, an der Arbeitsweise der Grundschulen nach vier Jahren anzuknüpfen: In Finnland gibt es Ganztagsschulen mit 22 Wochenstunden. Hinzu kommt Außerschulischer- und Projektunterricht und viel Zeit zum Lernen. Finnland lag bei der PISA-Studie weit über Deutschland....

 

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