Lehrerausbildung - auf dem Weg zur Reform
  Home ] Nach oben ] Standpunkt GSV ] [ Landesgruppe ] Gutachten ] Eckpunkte der Verbände ] Ankündigungen des MSW ]

zuletzt bearbeitet am 28.09.2008

Kein „kleines“ Lehramt
für kleine Kinder!
Keine strukturellen Unterschiede zwischen Grundschullehramt und anderen Lehrämtern!

Dieses Positionspapier gibt es auch als pdf-Datei zum Ausdrucken. !

betr. Grundschullehrerausbildung

Mit diesem Positionspapier beziehen wir Stellung in der aktuellen Diskussion um die Reform der Lehrerausbildung. Dabei berücksichtigen wir als Grundschulverband bewusst nur die Ausbildungsbelange von Grundschullehrern und –lehrerinnen. 

Keine Abwertung des Lehramtes durch eine verkürzte Ausbildung!

Es geht um Kinder. Sie brauchen gute und sichere Grundlagen. Was am Anfang versäumt wird, lässt sich nur schwer, schlimmstenfalls gar nicht aufholen. Das gilt sowohl für die Lernentwicklung, als auch für die Entwicklung des persönlichen Selbstvertrauens. Positive Leistungserfahrungen und Selbstvertrauen bedingen einander. Deshalb brauchen Kinder gute Lehrer und Lehrerinnen mit fachlichem Wissen, Methoden- und Führungskompetenz, die jedes Kind annehmen und angemessen fördern und fordern können. Die Arbeit in der Grundschule ist anspruchsvoll und interessant. Ihr Ansehen darf durch die Signale, die mit einer verkürzten Ausbildung gegeben werden, nicht beschädigt werden.

Das Lehramt an Grundschulen braucht eine fundierte wissenschaftliche Ausbildung, denn Kinder brauchen Qualität und Kompetenz in der Anleitung.

>        Das betrifft wissenschaftliche Fachgrundlagen,
denn Eltern von Kindern im Grundschulalter müssen erwarten dürfen, dass ihre Kinder nicht nur nach neuestem Forschungsstand Lesen, Schreiben und Rechnen lernen und dabei individuell gefördert werden, sondern, dass bereits Interessen für Naturwissenschaften und musische Fächer entwickelt werden können. Alltagswissen ist da nicht ausreichend. Wir brauchen deshalb gut ausgebildete Fachkompetenz bei Grundschullehrerinnen und –lehrern.

>        Das betrifft wissenschaftliche Grundlagen in den Bildungswissenschaften,
denn Eltern erwarten, dass ihre Kinder in Bezug auf ihre Lernentwicklung und ihre körperliche und geistige Entwicklung kompetent beobachtet werden und dass bei Störungen angemessen reagiert wird. Eltern erwarten auch, dass ihre Kinder bzgl. ihres Verhaltens angemessen angeleitet und dass gute Grundlagen für ein lebenslanges Lernen gelegt werden. Grundschullehrer und –lehrerinnen können das nur leisten, wenn sie dafür fundiert ausgebildet wurden.

Insgesamt müssen Lehrer und Lehrerinnen ihr Berufsleben lang bereit und in der Lage sein, Wissenschaft als Bezugsgröße ihrer Profession anzusehen und ihr Handeln an neueste Forschungsergebnisse anzupassen. Auch dafür brauchen sie eine wissenschaftliche Ausbildung.

Die Ausbildung für das Grundschullehramt ist umfangreich
und braucht Zeit.

Eine Beibehaltung der verkürzten Ausbildung für das Grundschullehramt würde die Qualität der Ausbildung von Kindern langfristig deutlich verschlechtern, denn das Aufgabenspektrum von Grundschullehrern und –lehrerinnen erweitert sich beständig. Neben den oben genannten Bereichen sind Kompetenzen im Umgang mit interkulturellen Gruppen zunehmend wichtig, und auch Aufgaben, die aufgrund der veränderten Kindheit entstehen, nehmen beständig zu. Beides erfordert qualitätsvolle Kompetenz im erzieherischen, diagnostischen und beratenden Bereich (auch Elternberatung), dies erst recht bei der Forderung nach individueller Förderung eines jeden Kindes.

Erforderlich ist zunehmend die übergreifende Umsetzung der Bereiche Medienerziehung, Werte- und Demokratieerziehung sowie Gesundheitserziehung.

Der Vorbereitungsdienst ist unverzichtbar.

Die wissenschaftliche Ausbildung in der Universität muss unbedingt ergänzt werden durch einen  zweijährigen Vorbereitungsdienst, denn im Vorbereitungsdienst haben Lehrerinnen und Lehrer die Gelegenheit, Wissenschaft und eigene Praxis zu reflektierter Handlungskompetenz zu verbinden. Dazu sind Ausbildungslehrer und -lehrerinnen zu qualifizieren, denn nur in der Praxis können Handlungsmuster erlebt werden, die dann von den Lehramtsanwärterinnen und Lehramtsanwärtern übernommen und auf der Grundlage des erworbenen, aktuellen Theoriewissens weiter entwickelt werden können. Dazu sind zudem Ausbilder und Ausbilderinnen der Seminare zu qualifizieren, so dass sie den Reflexions- und Innovationsprozess effektiv unterstützen können.

 Für die Landesgruppe des Grundschulverbandes
Rosemarie Möhle-Buschmeyer
(im Juni 2007)

Positionspapier vom Mai 2007

Lehrerausbildung - (1)
Positionen der Landesgruppe

Dieses Positionspapier gibt es auch als pdf-Datei zum Ausdrucken. !

Der Grundschulverband NRW schließt sich den Eckpunkten für ein Reformkonzept des Forum Lehrerbildung an.

Wir halten eine Reform der Lehrerausbildung im Sinne einer Qualitätsverbesserung für wünschenswert, denn wer gute Schulen will, braucht eine gute Lehrerausbildung.

Auch wir halten es für notwendig, dass bereits im Studium mehr Praxisbezüge hergestellt werden. Zwei Aspekte sind uns dabei wichtig:

a)      die Studierenden müssen ihr späteres Berufsfeld frühzeitig kennen lernen, damit sie sich qualifiziert entscheiden können, denn der Lehrerberuf erfordert hohe Qualifikationen.

b)      Die Studierenden müssen frühzeitig lernen, Theorie und Praxis zu verknüpfen, denn  dies ist auch langfristig für professionelles Handeln erforderlich.

 Die Abschaffung des Vorbereitungsdienstes, also der Ausbildung in Schule und Seminaren, halten wir für nicht sinnvoll. Die Ausbildung in der 2. Phase ermöglicht eine enge Verzahnung von Schulpraxis mit Theoriewissen. Die 2. Phase bietet insbesondere die individuelle Beratung, die eine theoriegeleitete Reflexion des konkreten Handelns ermöglicht. Diese Arbeit hat sich bewährt (siehe OECD-Bericht 2003). Sollte die Universität diese Aufgabe übernehmen, müssten erst entsprechende Strukturen geschaffen und personelle Ressourcen aufgebaut werden. Das wäre ein aufwändiger Prozess.

 Lehrerhandeln ist komplex (vgl. Rahmenvorgabe für den Vorbereitungsdienst). Die bloße Verkürzung des Vorbereitungsdienstes bedeutet Verschlechterung. Die Erfahrung zeigt, dass die Lehramtsanwärterinnen und Lehramtsanwärter ausreichend viel Zeit benötigen, um den komplexen Aufgaben der Erziehung und der Gestaltung von Lernprozessen gerecht werden zu können. Dabei ist die Fähigkeit, das eigene Rollenverständnis zu prägen und in innovativem Sinne die Lehrerrolle auszugestalten besonders zu nennen.

Im Grundschulbereich hat sich das Aufgabenfeld der Lehrer und Lehrerinnen deutlich verändert und ausgeweitet. Das gilt für die Erziehungsaufgaben, wie für die Bereiche Diagnostik und Förderung. Zudem werden die Altersgrenzen der Schüler und Schülerinnen erweitert.

 Eine besondere Förderung oder Begleitung von Lehrerinnen und Lehrern in der Berufseinstiegsphase ist überfällig. Grundschullehrer und –lehrerinnen sind in der Berufseinstiegsphase besonders stark beansprucht. Der Sprung von 12 auf 28 Stunden, die Übernahme der Klassenlehrerfunktion und die Tatsache, dass nicht nur die 2 Ausbildungsfächer unterrichtet werden, also ein Einarbeiten in weitere Unterrichtsfächer erfolgen muss, belastet übermäßig. Soll die in der Ausbildung erreichte Qualität erhalten bleiben, müssen die Berufseinsteiger Unterstützung erfahren. Ein entsprechende Konzept wäre zu erarbeiten. 

 Rosemarie Möhle-Buschmeyer